Transplantations-Skandale:Deutsche spendeten 2012 weniger Organe

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Chirurgenpräsident Jauch ging in seiner Kritik noch weiter. Die Medizin müsse weg vom Kommerz kommen und mehr Verantwortlichkeit erlernen, sagte Jauch der SZ. Auch müsse insgesamt weniger operiert werden. "Wir vergeuden hier Ressourcen. Und wir tun vielen Patienten nichts Gutes", sagte Jauch, der auch stellvertretender Ärztlicher Direktor des Münchner Universitätsklinikums Großhadern ist.

Ähnlich wie zuvor der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, forderte auch Jauch, die Zahl der Transplantationszentren zu senken Ein Konzentrationsprozess auf wenige spezialisierte Zentren sei aber auch bei anderen chirurgischen Eingriffen, etwa bei Hüft- und Knieprothesen, nötig, sagte Jauch. "Angebot und Nachfrage nach solchen Leistungen werden bei uns viel zu stark durch Wettbewerb bestimmt. Wir brauchen ein Korrektiv."

In den vergangenen Tagen war Kritik daran laut geworden, dass eine Vielzahl von Kliniken Transplantationen anbieten, darunter auch Häuser, die im Jahr nur wenige Eingriffe vornehmen. Josef Hecken, der dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorsteht, dem wichtigsten Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, kündigte an, er werde sich für eine "deutliche Anhebung der Mindestmengen bei Organtransplantationen" einsetzen.

Unterdessen gab die Stiftung Eurotransplant bekannt, dass die Deutschen im Jahr 2012 erheblich weniger Organe spendeten als im Vorjahr. Eurotransplant vermittelt in sieben Ländern Spenderorgane an Patienten. Der Rückgang betrage mehr als zehn Prozent, sagte der Medizinische Direktor, Axel Rahmel. Die Zahl der Transplantationen in Deutschland sei jedoch nur um vier Prozent gefallen, weil andere Länder mehr Organe zur Verfügung gestellt haben.

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