Tipps für den Einkauf von Knoblauch Viel Gestank, wenig Wirkung

Fest geschlossene, unverletzte Hüllen lassen frische Zehen erwarten.

Im Glauben an die Heilwirkung verschlingen manche Menschen unfreundlich große Knoblauchmengen. Doch viele Leiden dürften trotzdem so hartnäckig an ihnen hängen bleiben wie der Geruch der zerkauten Zehen. Die Ausdünstungen allerdings lassen sich abschwächen.

Von Berit Uhlmann

Bis zu 40.000 Artikel liegen in einem durchschnittlichen deutschen Supermarkt aus. Welche taugen etwas? Was nützt, was schadet der Gesundheit? Wie sinnvoll sind Bio-Nahrungsmittel und welche Werbefallen stellt die Lebensmittelindustrie dem Konsumenten? In dieser Serie bewerten wir weit verbreitete Lebensmittel für Sie. Teil 27: Knoblauch.

Wer je von einer betäubenden Knoblauchfahne in die Flucht geschlagen wurde, glaubt gerne, dass die scharfen Zehen auch allerlei Krankheitserregern und Beschwerden den Garaus machen können. Und doch sind Nachweise rar.

Ermutigend sind allenfalls die Studien zur blutdrucksenkenden Wirkung. Verschiedenen Studien zufolge kann Knoblauch den Blutdruck um etwa vier bis 16 Einheiten (mm Hg) senken. Getestet wurden jedoch in aller Regel Knoblauchpräparate aus der Apotheke. Ob rohe Zehen eine vergleichbare Wirkung haben, ist nicht klar. Ebenso fraglich ist, ob mit der Blutdrucksenkung durch die Dragees letztlich auch dramatische Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle vermieden werden.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Knoblauch Erkältungen vorbeugen kann. Ist der Infekt erst da, scheinen die Zehen keinen Effekt mehr zu haben. Doch wie bei fast allen Medikamenten und Hausmitteln gegen Erkältungen gilt auch für den Knoblauch: Er ist nicht wirklich gut untersucht, denn letztlich hat die Behandlung von banalem Schnupfen und Husten in der medizinischen Forschung keine sehr hohe Priorität. Die meisten anderen postulierten Wirkungen - etwa, dass Knoblauch Krebs oder Diabetes verhindern soll - sind ebenfalls nicht ausreichend belegt. Ob Knoblauch als Cholesterinsenker taugt, ist umstritten. Studien brachten hier widersprüchliche Ergebnisse.

Dagegen sind ernste Nebenwirkungen kaum zu befürchten. Wer Knoblauch verträgt, kann zugreifen. Die heftigste Nebenwirkung hat dann die Umwelt zu erdulden: den Geruch.