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Tipps für den Einkauf von Tomaten:So finden Sie gute Ware

Der Inbegriff der minderwertigen Tomaten lautet Holland-Tomate. Lange Zeit hatte das Gemüse aus dem Nachbarland zu Recht ein schlechtes Image. Die Früchte wurden unreif geerntet, erläutert Christoph Andreas, Agrarwissenschaftler bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Für die Pflanze war dies von Vorteil, weil sie so ihre Kraft schneller in die Bildung neuer Früchte stecken konnte. Vorteilhaft war die Praxis auch für die Bauern, weil sie ihnen zehn bis 20 Prozent mehr Ertrag einbrachte. Das Nachsehen hatten die Kunden, die ein unreifes, geschmackloses Produkt heimtrugen. Und heute? Der Agrarexperte Andreas arbeitet nicht nur mit Tomaten, sondern auch nahe der holländischen Grenze in Straelen. Er ist überzeugt, dass die Holland-Tomaten mittlerweile ebenso reif geerntet wird wie überall sonst. "Das Image war einfach so schlecht, dass die Bauern so nicht weitermachen konnten."

Daran mag nicht jeder glauben. Deutlich angenehmer ist für viele Menschen die Vorstellung von den Tomaten aus Kindheitstagen, die angeblich um vieles intensiver schmeckten. Doch diese Ansicht scheint so pauschal nicht zu stimmen. In einem kleinen Versuch ließen Forscher der Landwirtschaftskammer NRW Versuchspersonen vor einigen Jahren unterschiedliche Tomatensorten verkosten. Dabei schnitten ausgerechnet die alten, heute eher ungewohnt anmutenden Liebhabersorten deutlich schlechter ab als die modernen Exemplare. Das Schwärmen für das Gemüse aus früheren Zeiten ist eher der Nostalgie geschuldet, vermuten die Wissenschaftler.

Systematischer gingen US-Forscher die Sache 2012 an. In ihren Tests zeigte sich, dass die Sorte allein - egal ob alte oder hochmoderne Züchtung - keinen eindeutigen Einfluss auf den Geschmack hat. Vielmehr stellten die Wissenschaftler innerhalb einer Sorte große Unterschiede zwischen einzelnen Tomaten fest. Mindestens ebenso wichtige Einflussfaktoren scheinen daher Erntezeitpunkt und Lagerung zu sein, so ihre Schlussfolgerung.

Möglichst reif, möglichst frisch

Dabei gilt: Möglichst reife, frische Früchte schmecken besser, sagt Andreas. Wie Sie solche Früchte in den überbordenden Gemüseregalen erkennen, erläutern Ihnen folgende Tipps:

  • Meiden Sie komplett verpackte Tomaten, denn sie erschweren die Begutachtung.
  • Achten Sie auf eine intensive Färbung der Früchte. Eine blasse Farbe bedeutet, dass die Tomate unreif geerntet wurde.
  • Die Frische können Sie am besten bei jenen Tomaten einschätzen, die noch an Rispen hängen. Diese Rispe vertrocknet sehr schnell. Ist sie noch grün und weich, ist die Tomate erst vor kurzem geerntet. Erscheint sie trocken und hart, ist die Frucht schon älter.
  • Riechen Sie an der Rispe. Tomaten selbst duften nicht stark. Der typische Tomatengeruch kommt aus den grünen Stängeln, allerdings nur, wenn das Produkt noch frisch ist.
  • Kaufen Sie nach Möglichkeit Tomaten aus der Region. Sie haben damit größere Chancen auf Frische, da die Transportwege kürzer sind. Außerdem sind heimische Tomaten auch ökologisch sinnvoller.
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