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Dengue:Biologen besiegen Tigermücken-Population

Asiatische Tigermücke

Tigermücken übertragen viele Krankheiten, zum Beispiel Dengue und Zika.

(Foto: dpa)
  • Wissenschaftlern ist es gelungen, eine Population asiatischer Tigermücken in China dramatisch zu reduzieren.
  • Sie behandelten dazu Mücken im Labor so mit Bakterien und Bestrahlung, dass die Tiere in freier Wildbahn keinen lebenden Nachwuchs zeugen konnten.
  • Tigermücken übertragen viele gefährliche Krankheiten, darunter Dengue-Fieber, Gelbfieber und das Zika-Virus.
  • Auch in Europa breiten sich die Tiere immer weiter aus.

Ein kleiner Stich nur, den man oft gar nicht sofort bemerkt. Doch saugt da gerade eine Asiatische Tigermücke Blut, kann der Stich im schlimmsten Fall tödlich enden. In manchen Regionen stellt die Asiatische Tigermücke, lateinisch Aedes albopictus, die größte Gefahr für den Menschen dar. Sie soll mindestens 22 Krankheiten übertragen, darunter Gelbfieber, Zika, Dengue-Fieber oder Chikungunya. Allein an Dengue-Fieber erkranken Jahr für Jahr bis zu 100 Millionen Menschen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Da es bisher gegen viele dieser Krankheiten keine wirksamen Impfstoffe gibt, versuchen Wissenschaftler, die Krankheitsüberträger zu bekämpfen. Chinesischen Forschern könnte dabei nun ein wichtiger Schritt geglückt sein.

Wie die Wissenschaftler der Sun-Yat-sen-Universität Guangzhou im Fachmagazin Nature berichten, ist es ihnen gelungen, die Asiatische Tigermücke im Großraum der südchinesischen Stadt fast zu eliminieren. Die Region hätte kaum passender gewählt werden können, gilt sie doch als Hochburg für das Dengue-Fieber.

Für ihren Erfolg kombinierten die Forscher um Xi Zhiyong zwei bereits bekannte Bekämpfungsstrategien. Beiden Methoden ist gemein, dass sie die Fortpflanzungsfähigkeit der Insekten beeinträchtigen.

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Die Mücken können keine lebensfähigen Nachkommen mehr zeugen

Zum einen züchteten die Insektenjäger Millionen männlicher Tigermücken und infizierten sie jeweils mit drei Varianten einer Bakterienart vom Typ Wolbachia. Dies hat zur Folge, dass sich die behandelten Männchen zwar weiterhin mit Weibchen paaren können. Die daraus entstehenden Embryonen überleben jedoch nur, wenn das Weibchen die gleichen drei Wolbachia-Arten trägt. Und da einer der drei verwendeten Bakterien-Stämme in dieser Region normalerweise nicht vorkommt, können die Mückenembryonen praktisch nie zu erwachsenen Blutsaugern heranwachsen. Allerdings haben frühere Versuche gezeigt, dass diese Methode eine entscheidende Schwäche hat. Während der Zucht werden männliche und weibliche Mücken anhand ihrer unterschiedlichen Körpergröße getrennt. Setzt man Tausende oder gar Millionen von im Labor gezüchteten Mücken in der freien Wildbahn aus, ist es jedoch unvermeidbar, dass dabei auch ein paar mit Bakterien besiedelte Weibchen in die Freiheit gelangen, die den Auswahlprozess nach Größe in der Mückenfarm überstanden.

Folglich können die gemeinsamen Nachkommen überleben. Um das zu verhindern, haben die Forscher die gezüchteten Mücken zusätzlich noch einer geringen Strahlendosis ausgesetzt. Diese war so bemessen, dass die Weibchen unfruchtbar wurden, die Männchen sich aber weiter fortpflanzen konnten. Beide Eingriffe zusammen genommen ergaben folgende Situation: Die Weibchen unter den Wolbachia-besiedelten Zuchtmücken waren durch diese Strahlenbehandlung unfruchtbar. Die freigelassenen Männchen konnten sich zwar paaren. Da den wild lebenden Weibchen aber die passenden Bakterienstämme fehlten, brachte diese Paarung keine fruchtbaren Nachkommen hervor.

Zwar konnten so noch nicht alle Mücken rund um Guangzhou eliminiert werden, die Menge der gefundenen überlebensfähiger Eier sank nach Angaben der Forscher aber immerhin um 94 Prozent. Und glaubt man den chinesischen Gesundheitsbehörden, ging die Zahl der gestochenen Menschen sogar um 96 Prozent zurück. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Mücke zu hundert Prozent ausgerottet ist?

"Man muss natürlich abwarten", sagt Jonas Schmidt-Chanasit. Er ist Professor für Arbovirologie an der Universität Hamburg und sieht die Studie mit gemischten Gefühlen. Das Ergebnis sei durchaus "beeindruckend" und die Studie ein "guter Ausgangspunkt für weitere Forschung", allerdings könnten die Langzeiteffekte noch nicht abgeschätzt werden. "Wir wissen nicht, was passiert, wenn auf dieses fragile ökologische Zusammenspiel Druck von außen ausgeübt wird", erklärt der Virologe und spricht von einem "künstlich erzeugten Flaschenhals". Es bestehe die Gefahr, dass andere Mücken den Job von Aedes albopictus übernehmen und Krankheiten übertragen. "Wir sind noch weit davon entfernt, diese Krankheiten im Griff zu haben".

Dennoch gewinnt die Bekämpfung dieser Tropenkrankheiten auch hierzulande stetig an Bedeutung. Ursprünglich nur in Asien beheimatet, breitet sich die Tigermücke inzwischen auch in Europa aus, bestätigt Jonas Schmidt-Chanasit. Hauptursache sei neben dem Klimawandel der zunehmende internationale Warenverkehr.

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