"Tabakatlas" 2015 So qualmt Deutschland

Der - nicht von Zigarettenqualm umhüllte - Marlboro-Mann auf dem Dach des Zigarettenproduzenten Philip Morris in Berlin.

(Foto: dpa)
  • Der "Tabakatlas" 2015 präsentiert neue Fakten zum Rauchen in Deutschland.
  • In Berlin und Bremen gibt es die meisten Raucher - in Bayern und Baden-Württemberg die wenigsten.
  • Jeder dritte Mann in Deutschland raucht - und jede fünfte Frau.
  • Immer weniger Minderjährige rauchen - aber jeder dritte Jugendliche hat schon mal eine Wasserpfeife probiert.

Mit dem "Tabakatlas" 2015 (hier in der Komplettversion) haben Experten von Bundesregierung und Deutschem Krebsforschungszentrum zum zweiten Mal nach 2009 Fakten zum Rauchen in Deutschland zusammengefasst.

Der Norden qualmt

Im Norden Deutschlands wird weiterhin mehr geraucht als in der Südhälfte der Republik. Das geht aus dem neuen "Tabakatlas" hervor, den die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) in Berlin vorgestellt hat. Demnach haben Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen den höchsten Raucheranteil: In diesen drei Bundesländern qualmen mehr als 34 Prozent der Männer sowie mehr als 23 Prozent der Frauen. Die niedrigsten Werte finden sich in Bayern und Baden-Württemberg - bei den Frauen in Sachsen.

Entwicklung des Tabakkonsums seit 2009

Insgesamt ist der Tabakkonsum in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Durchschnittlich raucht jeder vierte Erwachsene - etwa jeder dritte Mann (30 Prozent) und jede fünfte Frau (20 Prozent). Bei der Vorstellung sagte die Bundesdrogenbeauftragte, die Zahlen zeigten einen "erfreulich positiven Trend zum Nichtrauchen".

Rauchertote in Deutschland

Der "Tabakatlas" kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 121 000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. Bei den Rauchertoten gebe es deutliche Geschlechterunterschiede: In allen Bundesländern sterben mehr als doppelt so viele Männer als Frauen infolge des Rauchens.

Die meisten Rauchertodesfälle bei Männern und Frauen gibt es in Bremen und Berlin: Hier sterben 23 Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen an den Folgen ihres Tabakkonsums. In Baden-Württemberg und Bayern sterben die wenigsten Männer (17 und 18 Prozent) und in Sachsen und Thüringen die wenigsten Frauen (vier und fünf Prozent) an den Folgen des Rauchens.

Nach Einschätzung der Autoren ist Rauchen noch gefährlicher als vor einigen Jahren angenommen. Sie gehen mittlerweile davon aus, dass in Deutschland mehr als jeder achte Todesfall auf Tabakkonsum zurückzuführen ist. Denn: Rauchen wird nicht mehr nur für Lungenkrebs und diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht. Auch tödliche Fälle von Leberkrebs, Darmkrebs, Tuberkulose und Typ-2-Diabetes werden mittlerweile auf Tabakkonsum zurückgeführt.

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Jugendliche im Osten rauchen mehr

Während das Rauchverhalten der 25- bis 69-Jährigen seit 2009 weitgehend stabil blieb, sanken die Raucherquoten unter jungen Erwachsenen und Minderjährigen stetig. Die höchsten Raucheranteile unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden sich den Daten zufolge in Ostdeutschland: In allen östlichen Bundesländern rauchen mindestens 30 Prozent der Jungen und jungen Männer. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit mehr als 36 Prozent. Auch bei den Mädchen und jungen Frauen ist der Raucheranteil in Sachsen-Anhalt mit mehr als 30 Prozent am höchsten.

Ende der Neunzigerjahre rauchten knapp 30 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen, aktuell sind es nur noch zwölf Prozent. Unter den 15- bis 24-Jährigen griff 2013 etwa jeder Vierte zur Zigarette - knapp 26 Prozent der jungen Männer und 19 Prozent der jungen Frauen.

Wie sich der soziale Status auf das Rauchverhalten auswirkt

Im vergangenen Jahrhundert erfuhr das Rauchen einen sozialen Wandel, denn es verlagerte sich zunehmend von den höheren in niedrigere soziale Schichten - bei den Männern früher als bei den Frauen. Seit einigen Jahrzehnten rauchen bereits mehr Männer und Frauen mit niedrigem sozialen Status als mit hohem sozialen Status. Dieser Unterschied im Rauchverhalten ist bei den Männern in allen Altersgruppen ausgesprägt, bei den Frauen lediglich in der Altersgruppe von 30 bis 64 Jahren.

Ebenso schlägt sich der soziale Status auf das Rauchverhalten von Jugendlichen nieder: Jugendliche aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status rauchen häufiger und auch stärker als Gleichaltrige aus Familien mit einem hohen sozialen Status.

Diese Berufsgruppen rauchen am meisten

Dem "Tabakatlas" zufolge hängt das Rauchverhalten nicht nur vom Bildungsniveau und der Einkommenssituation ab, sondern auch von der Art des Berufes. In "einfachen Dienstleistungsberufen" wird demnach mehr geraucht als in "akademischen Berufen". Dieser Unterschied zeige sich besonders bei verschiedenen Gesundheitsberufen von Frauen, heißt es in der Studie: Unter Apothekerinnen und Ärztinnen gibt es die wenigsten, unter Altenpflegerinnen und Helferinnen in der Krankenpflege die meisten Raucherinnen.

Die Berufsgruppen mit dem höchsten Raucheranteil bei Frauen sind: Werk- und Personenschutzfachkräfte und Detektivinnen (50,5 Prozent), Berufskraftfahrerinnen (49,4 Prozent) und Wächterinnen/Aufseherinnen (47,0 Prozent). Am wenigsten rauchen: Apothekerinnen (6,2 Prozent), Ingenieurinnen (8 Prozent) und Frauen, die in der Seelsorge tätig sind (8,5 Prozent).

Die Berufsgruppen mit dem höchsten Raucheranteil bei Männern sind: Möbelpacker (85,3 Prozent), Werk- und Personenschutzfachkräfte und Detektive (55,4 Prozent) und Reinigungs- und Entsorgungsberufe (54,4 Prozent). Am wenigsten rauchen demnach: Hochschullehrer (13,2 Prozent), Gymnasiallehrer (13,3 Prozent) und Ärzte (13,8 Prozent).

Raucher kosten 80 Milliarden Euro jährlich

Finanziell kostet das Rauchen in Deutschland die Gesellschaft jährlich etwa 80 Milliarden Euro. Davon seien etwa ein Drittel Kosten für das Gesundheitssystem und zwei Drittel Kosten für die Volkswirtschaft durch Produktionsausfälle und Frühverrentung, heißt es in der Studie.

Forscher: "Shishas" nicht unterschätzen

Neue Produkte wie E-Zigaretten und E-Shishas werden besonders von Jugendlichen angenommen. Dem "Tabakatlas" zufolge hat etwa ein Drittel der Zwölf- bis 17-Jährigen bereits Wasserpfeife geraucht, und ein Viertel hat E-Zigaretten ausprobiert. Krebsforscher warnen vor einem häufigen Konsum von Wasserpfeifen: Wasserpfeifenrauch birge ein ähnliches Gesundheitsrisiko wie Zigarettenrauch.

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