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Sauberkeitserziehung:Ratgeber und Windelfrei-Coaches

Auch in der Fachliteratur wird immer wieder bestätigt, dass Neugeborene mit Zappeln, Zittern, einem kurzen Schrei oder Gesicht-Verziehen anzeigen, dass sie müssen. Wenn Eltern nicht auf diese Signale reagieren, dann verlieren sie sich jedoch. Jahre später muss das Kind dann üben, auf die Signale seines Körpers zu reagieren.

Zahlreiche Bücher und Blogs gibt es inzwischen zum Thema EC. In einigen Städten erklären Windelfrei-Coaches, wie das Ganze funktioniert. Manche Verfechter der Methode sind der Ansicht, nur das windellose Aufziehen ermögliche einen respektvollen Umgang mit dem Baby, der sich an den Bedürfnissen des Kindes und nicht der Eltern orientiere.

Andere Eltern machen mit, weil sie die Müllberge verkleinern wollen - schließlich verbraucht ein Wickelkind rund 5000 Windeln (und 1000 bis 2000 Euro), bis es sauber ist. "Pampers hat jetzt Windeln für Fünfjährige herausgebracht, weil immer mehr Kinder nachts immer später trocken werden", schreiben Schmidt und Dibbern.

Sauberkeitserziehung im Wandel

Aber wann ist wirklich die beste Zeit für das Kind, auf Windeln zu verzichten? "Es gibt kaum fundierte Studien dazu", sagt Klaus Rodens von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Die heutigen Empfehlungen stützen sich meist auf die Untersuchungen von Remo Largo, der bis 2005 an der Zürcher Universitätsklinik geforscht hat.

Der durch seine Bücher bekannte Kinderarzt hatte 700 Personen viele Jahre lang beobachtet, die entweder in den 1950er-Jahren oder zwischen 1974 und 1984 geboren worden waren.

In der Nachkriegszeit waren Eltern meist sehr rigide, sie setzten die Kinder mehrmals täglich aufs Töpfchen. Dort mussten sie sitzen, bis sie gemacht hatten. Schließlich war eine lange Windelphase gleichbedeutend mit viel Zeit in der Waschküche. So hatten in Largos Studie 96 Prozent der Eltern der Nachkriegsgeneration zum Ende des ersten Lebensjahres bereits mit der Sauberkeitserziehung begonnen, in den liberalen 1970er-Jahren waren es nur rund 20 Prozent der Eltern.

Insgesamt begann das Töpfchentraining 13 Monate später als noch eine Generation davor, Mädchen waren etwas schneller sauber als Jungs.