Prämien für Transplantationen Morbus oeconomicus

Der im Organspende-Skandal beschuldigte Oberarzt in Göttingen erhielt 1500 Euro extra für jede transplantierte Leber. Solche Bonus-Zahlungen finden sich in fast der Hälfte aller neueren Ärzteverträge. Und sie gehören verboten.

Ein Kommentar von Nina von Hardenberg

Unter Klinikärzten breitet sich eine Krankheit aus: der Morbus oeconomicus. Sie manifestiert sich in Prämien, wie sie auch der beschuldigte Oberarzt in Göttingen erhielt. 1500 Euro extra für jede transplantierte Leber. Der Arzt bekam den Bonus nicht etwa für eine besonders schwierige Operation, sondern für die Leber als solche. Denn nur Masse sichert der Klinik den Umsatz. Wo Ärzte sich aber dieser Denke unterordnen, werden aus Krankheiten abrechenbare Diagnosen und aus Patienten Fallzahlen.

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen Chefärzte die Erlöse aus der Behandlung von Privatpatienten behalten durften. Immer öfter steht ihnen nur ein Teil davon zu. Dafür finden sich in fast der Hälfte aller Neuverträge Bonusregeln, die den Verdienst des Chefs an Ziele knüpfen: dass er Operationszahlen steigert, Personalkosten senkt, und so weiter. Die Klinikleitungen machen das, weil sie auf diese Weise Druck weitergeben: Etwa ein Drittel aller Häuser macht Verluste. Und im System der Fallpauschalen macht Gewinn nur, wer Masse schafft.

Der Arzt aber muss dann nicht mehr nur heilen und helfen, er muss auch wirtschaften. So kommt es, dass in manchen Operationssälen Strichlisten hängen. Ob ein Chirurg zur OP rät, hängt dann auch davon ab, ob schon genug Striche auf der Liste sind. Die Ärztekammer hat Verträge mit wirtschaftlichen Zielvereinbarungen zu Recht kritisiert. Sie gehören verboten.

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