Plötzlicher Kindstod Vorteil für das Stillen

Tatsächlich kommt der plötzliche Kindstod häufiger bei Angehörigen sozial benachteiligter Schichten vor. Die Mütter in dieser Bevölkerungsgruppe stillen seltener und der Lebensstil ist ungesünder. Die Gründe für den Tod während der ersten Lebenswochen sind bis heute unklar. Bekannt sind hingegen Risikofaktoren, etwa wenn das Kind auf dem Bauch schläft. Die Fälle gehen erfreulicherweise jedoch zurück: So starben im Jahr 1990 noch mehr als 1,7 von 1000 Säuglingen, während es in den letzten Jahren 0,4 von 1000 waren.

Bergman vermutet, dass die Fachgesellschaften mit ihren Warnungen über das Ziel hinausschießen. Volker Soditt vom BVKJ hält dem entgegen: "Wir wollten die Empfehlungen allgemeingültig und für alle Eltern verständlich halten. Da noch Tipps für sicheres Co-Bedding hineinzustricken, halten wir für schwierig." Anders machen das die Schweizer Kollegen. Sie haben ihre Empfehlungen zum Bedsharing auf drei Seiten ausgebreitet. Denn das Verbot des Familienbetts werde von vielen Eltern nicht mitgetragen.

Zudem hat Co-Bedding vermutlich auch einige Vorteile. Der wichtigste ist, dass Mütter einfacher stillen können, wenn das Baby nicht erst aus der Wiege herausgehoben werden muss. Schläft der Säugling an der Seite der Mutter, braucht sie sich nur in Position zu drehen, um zu stillen. Eine ebenfalls gerade in JAMA Pediatrics erschienene Studie der University of Maryland, bei der fast 2000 Mütter befragt wurden, bestätigt dies: Jene Mütter, die mit ihrem Baby gemeinsam in einem Bett schliefen, fütterten ihre Babys länger an der Brust, oft bis zu einem Jahr lang. Mütter, die ihre Babys in einer eigenen Wiege platzierten, hatten hingegen oft schon in der 30. Woche abgestillt.

Stillen mindestens bis zum sechsten Monat gilt als vorteilhaft für die Gesundheit von Mutter und Kind und als präventiv gegen plötzlichen Kindstod. "Die stillende Mutter hat die Intuition, das Kind nachts umzulagern, etwa in die sichere Rückenlage", sagt Kinderarzt Renz-Polster.

Zudem verbessert gemeinsames Nächtigen den Schlaf der Eltern. Denn Atemrhythmus und Schlafphasen synchronisieren sich bei regelmäßigem Co-Bedding. So wacht ein Baby zwar öfter auf, wenn es im Elternbett liegt, schreckt die Eltern aber nicht aus dem Tiefschlaf auf, sondern weckt sie nur aus dem Leichtschlaf. Außerdem ist es förderlich für einen erholsamen Schlaf, wenn die Eltern nicht aufstehen oder gar in ein anderes Zimmer gehen müssen, um nachts den Hunger des Säuglings zu stillen. "Auch ist nach dem Schnuller-Verlieren das Wieder-in-den-Mund-Stecken einfacher, wenn das Baby direkt im Bett liegt", sagt Bergman.