Plastische Chirurgie Die Selfie-Generation kämpft gegen Falten

Spritzen gegen Falten: Der Anteil der nicht- und minimalinvasiven Behandlugen ist gestiegen.

(Foto: dpa)
  • Wer viele Fotos von sich macht und diese digital postet, schaut oft mit anderen Augen auf das Äußere, speziell Falten.
  • Bei einer Befragung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie wird deutlich, dass mehr Kunden entsprechende Behandlungen wünschen.
  • Die Umfrage zeigt auch: Immer mehr junge Menschen lassen Eingriffe vornehmen.

Selfies und soziale Medien sind nach Einschätzung von Schönheitschirurgen bei vielen Patienten ein Antrieb für einen entsprechenden Eingriff. Man sei konfrontiert mit der "Generation Selfie", sagte Alexander Hilpert von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) an diesem Mittwoch in Berlin. Die Selbstwahrnehmung der Menschen habe sich stark verändert. Sie sähen auf Fotos etwa bestimmte Falten, die sie als störend empfänden.

Faltenunterspritzungen und Botox-Behandlungen sind entsprechend ein Trend bei den Fachärzten, wie aus einer Umfrage unter 2002 Patienten von DGÄPC-Ärzten hervorgeht. Solche nicht- und minimalinvasiven Behandlungen mit vorübergehenden Effekten machen demnach inzwischen etwa 44 Prozent der Eingriffe aus. Damit legten solche Eingriffe im Vergleich zum Vorjahr stark zu. In der Vorjahresbefragung waren es nur etwa 31 Prozent gewesen.

Es gehe darum, auch kleine Makel loszuwerden, um auf Fotos noch besser rauszukommen, sagte DGÄPC-Präsident Torsten Kantelhardt. "Die Leute möchten schon in jüngeren Jahren optimal aussehen, weil sie sich natürlich permanent vergleichen mit irgendwelchen Idealvorstellungen."

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Der Trend zur Selbstoptimierung spiegelt sich in der Altersstruktur wieder, nach der immer mehr junge Menschen Eingriffe vornehmen lassen. Laut der Umfrage lassen derzeit Männer ebenso wie bei Frauen bereits mit etwa 30 Jahren Eingriffe vornehmen. Was durch Training und Diät körperlich nicht erreichbar sei, das könnten Schönheitschirurgen "vielleicht noch irgendwie hyperoptimieren", sagte Kantelhardt. Bei Kunden um die 30 würden sogar vorsorglich Ansätze von Falten behandelt. Das Durchschnittsalter der Befragten war zum Zeitpunkt des Eingriffs 41,3 Jahre.

Den Zuwachs bei den Eingriffen ohne Skalpell erklärt Kantelhardt auch mit dem erschwinglicheren Preis und mit Alltagstauglichkeit im Vergleich zu OPs: Die Spritzen lässt man sich quasi in der Mittagspause geben. Ungefähr ein halbes Jahr halte die Wirkung an. Damit seien diese Behandlungen eine "Einstiegsdroge", sagte er. Vor allem Frauen bevorzugten es, sich auf diese Weise erst einmal an Veränderungen heranzutasten - Männer setzten eher gleich auf eine Schönheits-OP.

Unter den häufigsten invasiven Schönheitsoperationen bleibt das Fettabsaugen auf dem ersten Platz. 8,6 Prozent aller ästhetisch-plastischen Operationen wurden 2017 in diesem Bereich vorgenommen. Es folgten die Brustvergrößerung und die Oberlidstraffung mit je 8,4 Prozent.

Fast 84 Prozent aller Patienten waren weiblich. Gut die Hälfte der Frauen setzte dabei auf nicht- und minimalinvasive Eingriffe wie Antifalten-Behandlungen, bei denen kein operativer Eingriff nötig ist. Unter den Männern waren ebenfalls Antifalten-Behandlungen besonders gefragt und machten etwa 22 Prozent der Eingriffe aus. Gut elf Prozent der Männer ließen sich die Nase richten. Jeweils acht Prozent der behandelten Männern ließen sich entweder Fett absaugen oder die Bauchdecke straffen.

In der Umfrage gab die überwiegende Mehrheit an, dabei vor allem an sich zu denken: "Nur für mich!", sagten 93 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer zu ihrer Motivation. Gründe wie Partnerschaft und Beruf nannten deutlich mehr Männer als Frauen, wenn auch mit insgesamt relativ niedrigen Zustimmungswerten.

Nach Schätzungen lassen etwa zwei Prozent der Bevölkerung einen Eingriff vornehmen, heißt es von der DGÄPC, einer von mehreren Fachgesellschaften in dem Berufsfeld. Die Klientel komme aus allen Bevölkerungsschichten. Ein zentrales deutsches Register für Schönheitsoperationen gibt es nicht. Patientenumfragen können somit lediglich auf Trends hinweisen.

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