Organspende-Skandal in Regensburg Kooperation mit der Frau des verdächtigen Oberarztes

Im Chirurgen-Jargon könnte man sagen: Die beiden waren so vertraut, dass sie einander ruhig gegenseitig Organe hätten spenden können. Denn im deutschen Transplantationsgesetz gibt es einen häufig zitierten Passus, der Organhandel verhindern soll: Demnach darf eine lebende Person einer anderen nur dann ein Organ oder einen Teil davon abtreten, wenn die beiden einander "in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen". Dieses Kriterium trifft auf den Chef- und den Oberarzt wohl in besonderem Maße zu.

Bis heute spricht der Chefarzt nur gut über den Hauptverdächtigen im Organ-Betrug. Er könne zwar nicht billigen, aber "psychologisch" nachvollziehen, was sein ehemaliger Mitarbeiter getan habe, sagte er der SZ vor einigen Tagen. Schließlich sei es um Leben und Tod einer jungen Frau gegangen. Bis heute preist er die fachlichen Qualitäten des Mannes, der ein exzellenter Chirurg sei und sich immer "extrem für seine Patienten eingesetzt" habe. Es überrasche ihn, dass sein früherer Mitarbeiter kriminell gehandelt haben soll.

Die Überraschung mag angesichts des langen gemeinsamen Weges schmerzen. Schon in den 1990er-Jahren haben sich die beiden Ärzte in der Kaderschmiede des berühmtesten deutschen Leberchirurgen Rudolf Pichlmayr an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Der Chefarzt habilitierte sich dort, der Oberarzt war Assistent. 1996 publizierten sie erstmals gemeinsam - über Lebertransplantationen bei älteren Menschen.

Als der Chefarzt 2003 den Lehrstuhl für Chirurgie an der Universitätsklinik Regensburg übernahm, holte er direkt den Oberarzt zu sich. Gemeinsam flogen sie 2004 nicht nur häufig nach Jordanien, um Patienten an einer mit dem Uniklinikum kooperierenden Klinik zu operieren, sondern auch zur Arab-Health-Gesundheitsmesse: Dort besuchten sie zusammen einen Verwandten des Scheichs von Abu Dhabi.

Mit dem Wechsel des Oberarztes an die Donau begann aber nicht nur der arabisch-deutsche Chirurgen-Transfer zu blühen, sondern auch seine wissenschaftliche Karriere. Die war bis dahin nur schleppend verlaufen: Nach der erwähnten Publikation aus dem Jahr 1996 hatte der Oberarzt fast zehn Jahre lang keine wissenschaftliche Arbeit mehr veröffentlicht. Das ist für eine erfolgreiche Hochschulkarriere eigentlich der Todesstoß.

Doch bei dem Chefarzt in Regensburg, der als wissenschaftliche Exzellenz gilt, kam der Oberarzt in Fahrt. 37-jährig, machte er dort endlich seinen Doktor. Vier Jahre später folgte die Habilitation. Auch nach dem Weggang des Oberarztes nach Göttingen publizierte er mit seinem Ex-Chef fleißig weiter. Auf einer der gemeinsamen Arbeiten steht sogar die Ehefrau des Oberarztes. Erstaunlicherweise promovierte auch sie, eine Zahnärztin, bei dem Chefarzt der Chirurgie - über Behandlungsstrategien bei Leberkrebs.

Auf der Webseite seiner Klinik zitiert der beurlaubte Chefarzt einen Spruch Hermann Hesses als sein Motto: "Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden", heißt es da. Was er mit diesem Zitat verbindet, bleibt vorerst unbeantwortet.