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Medizinisches Marihuana:Die Pharmaindustrie hat kein Interesse an Cannabis-Studien

Ebenso unklar ist der Nutzen für jene Aids-Patienten, die unter schwerer Appetitlosigkeit leiden und bedenklich abmagern. In den USA ist Cannabis für sie zur Appetitsteigerung zugelassen. Doch die Wissenschaftler der strengen Kriterien verpflichteten Cochrane Collaboration zogen noch im vergangenen Jahr das Fazit: Ein Wirknachweis steht noch aus.

Ob solch ein Nachweis für das Cannabis-Kraut je kommt, ist allerdings fraglich. "Hinter Cannabis-Studien steht keine Pharmaindustrie, da die Pflanzen nicht patentierbar sind", sagt Nadstawek. Dabei sind diese Untersuchungen besonders aufwendig, da sehr viele Genehmigungen eingeholt werden müssen. In den USA, aus dem traditionell ein Großteil der Forschungsarbeiten kommt, ist medizinisches Marihuana zwar bereits in 22 Bundesstaaten legalisiert. Die Liste der zugelassenen Anwendungsmöglichkeiten wird immer länger und umfasst mittlerweile auch Krankheiten wie Epilepsie, Alzheimer und Glaukome, für die es kaum Nachweise gibt. Doch die Forschung steht noch immer vor rechtlichen Hürden.

Wer Cannabis an Menschen testen möchte, muss Anträge an vier verschiedene Institutionen stellen, berichtete die New York Times vor einigen Tagen. Auch in Deutschland müssen etliche Genehmigungen eingeholt werden; allein für den bürokratischen Aufwand können 100 000 Euro zusammenkommen. Wenige Forschungseinrichtungen können und wollen dies leisten.

Selbstgezogenes Gras aus dem Eigenanbau bleibt eine Notlösung

Die Kölner Richter haben das Gras aus dem Eigenanbau denn auch als "Notlösung" bezeichnet. Es ist gedacht für einige schwerkranke Menschen, denen nichts anderes hilft, und die sich die gängigen Cannabis-Medikamente nicht leisten können. Notlösung ist sicher eine zutreffende Bezeichnung. Denn der Eigenanbau setzt die Patienten Risiken aus, die über die der Medikamente hinausgehen. "Die meisten Patienten rauchen das Cannabis", sagt Nadstawek. Doch die Dosierung in der Tüte ist unklar und schwer zu kontrollieren. Hinzu kommt der Rauch. Forscher aus Frankreich kamen vor einem Monat in einer Übersichtsstudie zu dem Schluss, dass Joints so wie Zigaretten ein erheblicher Risikofaktor für Lungenkrebs sind.

Nadstawek hält das Gerichtsurteil dennoch für wegweisend. Patienten, die sich in ihrer Not nicht anders zu helfen wissen, werden entkriminalisiert. Und: "Endlich wird gesehen, dass Cannabis Patienten auch nützen kann." Dabei bleibt vorerst offen, wer zu diesen Patienten zählt.

© SZ vom 24.07.2014

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