Medizin Test soll Frauen mit Brustkrebs die Chemotherapie ersparen

Ein Gentest soll Frauen mit einer bestimmten Brustkrebs-Art bei der Entscheidung helfen: Chemotherapie - ja oder nein?

(Foto: dpa)
  • Eine Studie zeigt, dass Patientinnen mit bestimmter Form von Brustkrebs auf Grundlage eines Gentests über einen Verzicht auf die Chemotherapie entscheiden könnten.
  • Das Ergebnis ist bedeutsam, weil andere Tests bislang nicht immer überzeugen konnten.
  • Krankenkassen erstatten die Kosten dafür aber nicht in jedem Fall.
Von Kathrin Zinkant

Eine Krebsdiagnose ist für sich genommen schon ein schwerer Schlag. Doch für viele Patienten hat es auch die Behandlung durch eine Chemotherapie in sich. Übelkeit, Haarausfall, Schmerzen - die chemische Keule hinterlässt nicht selten bleibende Schäden an Herz oder Nieren.

Für einen Teil der Patienten ist diese Tortur zwar lebensrettend, manchmal aber kann sie dem Krebs nichts anhaben. Viele Patienten fragen sich daher, ob ihnen eine Chemotherapie überhaupt etwas bringt - außer einem Verlust an Lebensqualität. Eine mögliche Antwort auf diese Frage geben seit knapp 15 Jahren sogenannte Genexpressionsanalysen. Sie untersuchen die Aktivität einzelner Gene im Erbguts eines Tumors und liefern daraufhin eine Empfehlung für oder gegen eine "Chemo". Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass künftig Patientinnen mit einer recht häufigen Form von Brustkrebs auf Grundlage einer solchen Analyse zuverlässig über einen Verzicht auf die Chemotherapie entscheiden können.

Viele Ärzte bieten die Tests bereits an

An der Untersuchung, die jetzt im New England Journal of Medicine erschienen ist, nahmen 10 000 Frauen mit sogenannten hormonempfindlichen Tumoren teil. Der Krebs dieser Patientinnen hatte zwei Eigenschaften: Es handelte sich um Tumore, die nicht den sogenannten Wachstumsrezeptor Her2 tragen und noch nicht in die Lymphknoten der Achseln gestreut hatten. Laut Studie können 70 Prozent der Frauen mit dieser Form von Brustkrebs auf die Chemo verzichten - ohne dadurch ein höheres Risiko für eine Rückkehr des Krebses in Kauf zu nehmen.

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Das Ergebnis ist vor allem deshalb bedeutsam, weil Genexpressionsanalysen gerade für Brustkrebs schon jetzt weit verbreitet sind. Viele Ärzte bieten sie ihren Patientinnen an. Die Kassen erstatten sie jedoch nicht grundsätzlich, weil der Nutzen für die Mehrheit der Frauen als fragwürdig gilt. Experten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) hatten im Dezember 2016 gewarnt, dass der Nutzen der Tests für die beschriebenen Brustkrebspatientinnen nicht belegt werden könne.

Im Fokus der Kritik stand damals allerdings ein anderer Test namens Mammaprint. Bei Patientinnen, die aufgrund dieses Tests auf eine Chemotherapie verzichteten, kehrte der Krebs häufiger zurück als bei Frauen, die die Behandlung durchmachten. Die aktuelle Studie zeichnet für den Test Oncotype DX nun ein anderes Bild.

Auch bei dieser Analyse hatte es zunächst Zweifel gegeben, denn der Test liefert auf der Grundlage von 21 Genen einen Zahlenwert zwischen 0 und 100. Aus diesem Wert sollen Ärzte und ihre Patientinnen ablesen können, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist - und ob sich eine Chemotherapie deshalb lohnt. Bei einem Score von 0 bis 10 können die Frauen getrost verzichten. Der größte Teil der betroffenen Frauen aber kommt bei Oncotype DX auf einen Grauzonenwert zwischen 11 und 25. Das ist zu gut, um ignoriert zu werden. Aber auch zu schlecht, um sicher auf die Chemiekeule zu verzichten.

Genau diese Frauen standen nun im Fokus der aktuellen Studie. Wie die Arbeit zeigt, können auch Patientinnen mit unklarem Score dem Urteil des Oncotype DX folgen und auf die Chemo verzichten. Das gilt sogar für Resultate, die im Widerspruch zum Ergebnis der klinischen Beurteilung durch Ärzte stehen. Einzige Ausnahme sind Frauen von 50 Jahren oder jünger, die einen Analysewert von 16 bis 25 hatten - ein sehr häufiges Ergebnis in dieser Altersgruppe. Für sie gilt, dass die Chemotherapie einen Überlebensvorteil bietet.

"Wir freuen uns, das nun die Ergebnisse dieser wichtigen Studie veröffentlicht wurden", sagte der stellvertretende Leiter des Iqwig, Stefan Lange. Ob die neuen Ergebnisse allerdings zu einer anderen Bewertung durch das Iqwig führen, sei zum derzeitigen Zeitpunkt noch ungewiss.

Das Urteil des Iqwig ist unter anderem deshalb relevant, weil die Expressionsanalysen bei Brustkrebs nach Ansicht vieler Hersteller und Ärzte Kassenleistung sein sollten. Die Tests kosten 1800 Euro und mehr. Der Gemeinsame Bundesausschuss berät bereits seit vier Jahren über die Erstattung und hat das Iqwig mit der Expertise beauftragt.

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