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Antibabypille:Keine Verhütung ohne Risiko

Anti-Baby-Pille

Kaum ein Verhütungsmittel ist so sicher wie die Pille. Das Medikament hat allerdings auch Nebenwirkungen.

(Foto: dpa)
  • Eine Untersuchung im New England Journal of Medicine kommt zum Ergebnis, dass die Verhütung mit der Antibabypille das Risiko für Brustkrebs marginal erhöht.
  • Ärzte warnen jedoch davor, die Pille leichtfertig abzusetzen. Hormonelle Verhütung bietet viele Vorteile - diese sollten gegen die möglichen Risiken und Nebenwirkungen abgewogen werden.

Am Ende wird die Krebsangst steigen. Die negative Stimmung gegenüber der Pille wird weiter zunehmen. Jene, die immer schon gewusst haben, dass "die Hormone" und "die Chemie" schädlich sind, werden sich bestätigt fühlen. Dass die tatsächliche Zunahme des Risikos für Frauen in absoluten Zahlen nur marginal ausfällt, wird hingegen kaum wahrgenommen werden. Und es wird kaum eine befriedigende Antwort auf die Frage geben, wie Frauen denn sonst zuverlässig verhüten sollen und was eine ähnlich sichere Alternative zur Pille wäre.

Und wenn es ganz blöd läuft, werden Tausende von Frauen die Pille absetzen. Es wird daraufhin zu Tausenden ungewollten Schwangerschaften und vielen Schwangerschaftsabbrüchen kommen. Dabei werden Komplikationen auftreten, manchmal leider auch Todesfälle. In der Summe werden mehr Frauen darunter leiden, dass sie die Pille abgesetzt haben als unter den angeblich gestiegenen Gefahren durch die Pille. Dass dieses Szenario durchaus realistisch ist, dazu später mehr.

Die Vorteile der Pille sollten gegen die Risiken abgewogen werden

Anlass für die düstere Prognose ist eine große Untersuchung aus Dänemark, die im New England Journal of Medicine erschienen ist. Gynäkologen aus Kopenhagen zeigen darin, dass die Pille das Risiko für Brustkrebs um 20 Prozent erhöht, wenn Frauen die Verhütungs-Tabletten nehmen oder bis vor kurzem genommen haben. "Allerdings sollte dieses Risiko abgewogen werden gegen den wichtigen Nutzen der hormonellen Verhütung wie beispielsweise ihre hohe Zuverlässigkeit und der Schutz vor anderen Krebsarten", schreiben die Autoren um Lina Mørch.

Für die Studie wurde das Befinden und die Gesundheit von 1,8 Millionen Frauen im Mittel über elf Jahre beobachtet, sodass die Datenbasis außerordentlich umfangreich ist. Nahmen Frauen die Pille kürzer als ein Jahr, stieg ihr Risiko um neun Prozent an, einen Tumor der Brust zu entwickeln. Bei einer mehr als zehnjährigen Anwendung war die Wahrscheinlichkeit hingegen sogar um 38 Prozent erhöht.

Das neue an der Analyse der dänischen Ärzte bestand darin, dass sie Pillen der jüngsten Generationen untersucht haben, deren Hormongehalt deutlich geringer ist als jener der älteren Präparate. Von frühen Pillengenerationen ist bekannt, dass sie das Risiko für Brustkrebs um bis zu 20 Prozent steigern können - sie senken allerdings auch die Wahrscheinlichkeit, an einem Tumor der Eierstöcke, des Endometriums und des Enddarms zu erkranken.

"Die Studie wurde hochkarätig publiziert und umfasst eine sehr große Zahl an Fällen", sagt Sven Mahner, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum München. "Allein deshalb bekommt sie viel Aufmerksamkeit, aber nüchtern betrachtet ist das nicht neu, das erhöhte Risiko kennen wir auch aus anderen Studien."

Zudem sollte sich jede Frau, die jetzt womöglich verunsichert ist, vergegenwärtigen, was es mit der angeblich erhöhten Bedrohung konkret auf sich hat. "Das Risiko steigt absolut gesehen um 13 zusätzliche Brustkrebsfälle unter 100 000 Frauen", merkt der Oxford-Mediziner David Hunter in einem begleitenden Kommentar an. Das ist gleichzusetzen mit 1,3 Krebsfällen pro 10 000 Frauen und einer Erhöhung des absoluten Risikos um 0,013 Prozent.