Medizin Hilft Stress gegen Krebs?

Soziale, geistige und körperliche Herausforderungen bremsen das Tumorwachstum - bei Mäusen. Könnte Stressvermeidung auch für Krebspatienten die falsche Empfehlung sein?

Bei Mäusen, die sich sozialen, geistigen und körperlichen Herausforderungen stellen müssen, wachsen Tumore deutlich langsamer oder schrumpfen sogar. Diesen Effekt haben Wissenschaftler für Dickdarm- und schwarzen Hautkrebs nachgewiesen (Cell, Bd.142, S.52, 2010).

Wenn die Mäuse in großen Gruppen leben und ausreichend Spielzeug zur Verfügung haben, wachsen bei ihnen Tumore deutlich langsamer oder schrumpfen sogar.

(Foto: dpa)

So fielen die Tumore bei Mäusen, die in Gruppen von 20 Artgenossen zusammenlebten und Spielzeug, Laufräder und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung hatten, deutlich kleiner aus als die Geschwulste von Tieren, die nur zu fünft beherbergt waren und weniger Anregungen erhielten. Bei nahezu jeder fünften Maus der ersten Gruppe hatte sich der Tumor nach sechs Wochen sogar zurückgebildet.

Körperliche Betätigung allein vermochte das Krebswachstum aber nicht zu hemmen: Die Aktivitäten mussten nachweislich leichten Stress hervorrufen. Dieser drosselte die Ausschüttung von Leptin aus dem Fettgewebe.

Das Hormon, das im Körper eigentlich als eine Art Appetitzügler fungiert, fördert offenbar auch das Krebswachstum. So vergrößerten sich die Geschwulste von Mäusen, wenn die Forscher ihnen Leptin verabreichten.

Im Gegensatz dazu hatten Tiere, deren Leptinproduktion künstlich blockiert wurde, deutlich kleinere Tumore als ihre Artgenossen. Vielleicht sei es auch für krebskranke Menschen, so die Wissenschaftler, nicht empfehlenswert, jeglichen Stress zu vermeiden.