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Medizin:Herzschmerz nach dem Frost

Weltkriegsbombe in Frankfurt wird entschärft

Ein paar Tricks helfen, damit Herzpatienten nach einem Wetterumschwung nicht im Rettungswagen landen.

(Foto: dpa)

Die Temperaturen steigen endlich. Doch ein massiver Wetterumschwung erhöht auch das Risiko für einen Infarkt.

Wenn Ströme und Bäche endlich vom Eise befreit sind, droht neues Ungemach. Nachdem das Thermometer nachts gerade wochenlang auf zweistellige Minusgrade gefallen war und vielerorts auch tagsüber nur wenig über minus zehn Grad hinaus kam, sollen am Wochenende bis zu zwölf Grad plus erreicht werden. Kurz nach dem meteorologischen Frühlingsbeginn ist das eigentlich eine ebenso erfreuliche wie zeitgemäße Entwicklung, doch mit derart großen Temperaturschwankungen gehen ungeahnte Risiken für Leib und Leben einher.

Gerade hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor den Gefahren durch die ungewöhnliche Kältewelle quer durch Europa gewarnt und Kleidungstipps gegeben ("Zwiebelprinzip"), da schlagen Kardiologen auf einem der größten Herzkongresse weltweit Alarm. Der erwartete abrupte Temperaturanstieg um 20 Grad könnte Herz und Kreislauf massiv zusetzen und die Rate an Herzinfarkten und Schlaganfällen deutlich erhöhen, so die Herzexperten im gewöhnlich wohltemperierten Orlando.

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"Wetterextreme, mit denen wir künftig häufiger rechnen müssen, bringen starke Fluktuationen der Temperatur mit sich - und das schlägt aufs Herz", sagt die Herzexpertin Hedvig Andersson von der University of Michigan. "Der Körper hat zwar diverse Systeme, um auf veränderte Temperaturen zu reagieren, aber schnelle und heftige Wechsel setzen den Organismus unter Stress." Herz und Kreislauf kommen da nicht immer mit.

Rauchen aufhören, Hochdruck und Cholesterin behandeln

Die Kardiologen hatten 30 000 Herzpatienten untersucht und analysiert, wie sich starke Temperaturschwankungen auf das Herz auswirkten. Mit jedem Sprung um fünf Grad stieg demnach das Risiko für einen Infarkt um fünf Prozentpunkte. Bei Unterschieden von 20 Grad, wie sie am Wochenende zu erwarten sind, macht das bereits 20 Prozent aus.

Blutgefäße sind keine starren Rohre; Schlagadern wie kleinste Kapillaren reagieren auf Wärme und Kälte, ziehen sich zusammen oder weiten sich - dann steigt plötzlich der Blutdruck oder sinkt ab. Wenn sich bei Wärme Gefäße erweitern und das Blut in die Peripherie strömt, kann das ebenso wie die reflektorische Verengung der Adern die Durchblutung von Herz und Hirn beeinträchtigen.

Für Gesunde ist das kein Problem, wer aber vorbelastet ist, dem kann der rabiate Wetterumschwung zu schaffen machen. Ab 50 Jahren steigt die Gefahr kontinuierlich, vor allem Bewegungsmuffel mit verhärteten Gefäßen sind gefährdet. "Wir denken bei Herzinfarktrisiken immer an individuelle Aspekte, empfehlen Medikamente oder einen anderen Lebensstil", sagt US-Kardiologe Hitinder Gurm: Rauchen aufhören, Hochdruck und Cholesterin behandeln. "Auf bevölkerungsweite Risiken wie das Wetter brauchen wir aber auch medizinische Antworten." Diese Forschung wird wichtiger, denn mit dem Klimawandel häufen sich Wetterextreme. Abrupte Temperaturwechsel von Tag zu Tag sind dann keine Ausnahme mehr.

Einstweilen tut es dem Herzen gut, die Kleidung an heiklen Tagen anzupassen, sich zu bewegen, aber nicht zu überlasten. Und mit Vorfreude dem Vorfrühling entgegenzusehen.

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