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Magen-Darm-Infekt auf Reisen:Was bei einer Infektion hilft

In den meisten Fällen ist Reisedurchfall unangenehm, aber harmlos. Sie können ihn selbst therapieren. Wichtigste Gegenmaßnahme: Den Wasser- und Salzhaushalt wieder auffüllen, ansonsten trocknet der Körper aus. Blutdruckabfall und Kreislaufschwäche bis hin zum Kreislaufzusammenbruch sind mögliche Folgen. Deshalb sollte man bei Durchfall mindestens drei bis vier Liter am Tag trinken. Am besten eignen sich Flüssigkeiten, die gleichzeitig den Mineralsalzhaushalt auffüllen, zum Beispiel gezuckerter Tee oder salzhaltige Suppen.

In der Apotheke können Sie auch fertige Elektrolyt-Pulver oder -Lösungen kaufen. Diese enthalten unter anderem Traubenzucker, Kochsalz und Kaliumchlorid. Das Pulver sollte nur in abgekochtem Wasser aufgelöst werden. Wenn Sie sich selbst eine Elektrolytlösung herstellen wollen: fünf Esslöffel Zucker, ein bis zwei Esslöffel Salz und ein Glas Orangensaft in einen Liter abgekochtes Wasser geben, empfiehlt der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts. Bei Säuglingen und Kindern unter zwei Jahren empfiehlt sich auf jeden Fall ein Elektrolytpräparat aus der Apotheke. Sie können den Flüssigkeitsverlust nur schlecht kompensieren, so dass ein wässriger Durchfall schnell lebensbedrohlich werden kann.

Wer unter Reisedurchfall leidet, sollte auf fettige und schwere Speisen verzichten - sie verschlimmern den Durchfall, weil sie das Verdauungssystem zusätzlich belasten. Ebenso empfiehlt es sich, Alkohol und Koffein zu meiden. Schonkost ist angesagt. In den ersten beiden Tagen können Betroffene beispielweise dünne Brühen, Salzstangen, geriebene Äpfel (Schälen nicht vergessen) oder Zwieback essen. Vom dritten Tag an können Reis oder Kartoffeln auf dem Speiseplan stehen. Nach vier Tagen darf man langsam wieder zu normaler Kost übergehen.

Mit Medikamenten gegen den Reisedurchfall sollten Sie vorsichtig sein. Mittel mit dem Wirkstoff Loperamid, zum Beispiel Imodium, unterdrücken den Durchfall vorübergehend, indem sie die Darmbewegung verlangsamen. Das verschafft aber den verursachenden Krankheitserregern Zeit sich im Darm weiter zu vermehren oder in die Darmwand einzudringen - die Beschwerden können dadurch schlimmer werden. Auf keinen Fall sollten solche Peristaltikhemmer bei blutigem oder fieberhaftem Durchfall eingenommen werden.

In der akuten Phase des Reisedurchfalls können Wirkstoffe gegen Übelkeit und Erbrechen, etwa Metoclopramid (zum Beispiel Cerucal) oder Domperidon (Motilium), Linderung verschaffen. Sie verhindern auch, dass zugeführte Flüssigkeit wieder erbrochen wird.

Zudem gibt es Präparate, die Wasser-, Gift- und Entzündungsstoffe binden. Sie hemmen die Austrocknung und beruhigen die gereizte Schleimhaut. Als Wirkstoffe enthalten diese Medikamente beispielsweise Aktivkohle, Pektin oder Kaolin.

So genannte Probiotika - das sind Lebensmittel oder Präparate, die lebende Mikroorganismen enthalten - können den Durchfall um etwa einen Tag verkürzen. Das ergab eine zusammenfassende Auswertung von 63 verschiedenen Studien im Cochrane Database of Systematic Reviews. Probiotika enthalten unter anderem Milchsäurebakterien wie Laktobazillen oder auch Bifidobakterien und Hefepilze. Diese kommen natürlicherweise im Darm vor. Sie können helfen, das natürliche Gleichgewicht in der Darmflora nach einer Infektion wiederherzustellen. Probiotische Lebensmittel sind zum Beispiel Joghurt oder Milch. In der Apotheke kann man spezielle Babynahrung, Pulver oder Kapseln kaufen.

Wann müssen Sie zum Arzt?

Nach spätestens zwei bis drei Tagen sollte der Durchfall von selbst abklingen. Ist dies nicht der Fall oder treten zusätzliche Symptome wie Blut im Stuhl, Fieber oder schwere Magen- und Darmkrämpfe auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er kann anhand einer Stuhlprobe den Erreger identifizieren. Wenn Sie sich in den Tropen befinden, wird ihnen der Arzt eventuell Blut abnehmen, um Krankheiten wie Cholera und Typhus auszuschließen. Gegen Bakterieninfektionen kann der Arzt ein Antibiotikum verschreiben.