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Magen-Darm-Infekt auf Reisen:Wo Montezumas Rache am heftigsten wütet

General Images of Nagpur As India Services Growth Slows

An einer indischen Garküche: Kulinarische Köstlichkeiten im Urlaubsland können ihre Tücken haben. Häufig werden dadurch Durchfallerreger übertragen.

(Foto: Bloomberg)

Bauchkrämpfe statt Badestrand, Schwäche statt Sightseeing, Hotel-WC statt großer weiter Welt: 20 bis 50 Prozent aller Reisenden leiden unter Durchfall. Wie Sie sich schützen und was im Fall einer Infektion hilft.

Unter Reisedurchfall, medizinisch Reisediarrhö, leiden 20 bis 50 Prozent aller Urlauber, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Besonders hoch ist das Risiko in Afrika, Asien oder Lateinamerika, etwa in Ägypten, Thailand oder Mexiko. Grund sind die teilweise niedrigeren Hygienestandards in diesen Ländern. Hinzu kommt die Wärme, die Durchfall-Erreger besonders schnell wachsen lässt - sie fühlen sich bei Körpertemperatur am wohlsten. Also bei 37 Grad.

Aber nicht nur das Land spielt eine Rolle für das Reisedurchfallrisiko, auch die Reiseart und die damit verbundene Hygiene. Rucksacktouristen sind zum Beispiel gefährdeter als Badeurlauber, die immer im gleichen Hotel bleiben, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin Wilderness & Environmental Medicine.

Entgegen landläufiger Erwartung kommt die Reisediarrhö in Luxushotels häufiger vor als in Unterkünften mittlerer Klasse, schreibt US-Wissenschaftler David Diemert in den Clinical Microbiology Reviews. Grund könnte sein, dass sich die Urlauber durch das gehobene Ambiente sicherer fühlen und nicht so stark auf Hygieneregeln achten. Möglicherweise spiele auch eine Rolle, - so Präventionsmediziner Robert Steffen in der Neuen Zürcher Zeitung - dass das Essen in Luxusherbergen aufwändiger und häufiger in Handarbeit zubereitet wird als in preiswerten Unterkünften, wo öfter Fertiggerichte auf den Tisch kommen. Je häufiger ein Lebensmittel berührt wird, umso größer ist das Kontaminationsrisiko.

Risikogruppen sind Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke oder Schwangere, da ihr Immunsystem die Erreger weniger gut bekämpfen kann.

Von einem Reisedurchfall spricht man, wenn ein Reisender häufiger als drei Mal pro Tag Stuhlgang hat. Meist fühlen sich die Betroffenen kraftlos und niedergeschlagen. Grund ist der Verlust von Wasser und Salzen (Elektrolyte). Als Begleitsymptome können in schweren Fällen auch Übelkeit, Kreislaufprobleme, Fieber, krampfartige Schmerzen im Magen und Darm oder Blut im Stuhl auftreten.

Ursachen für den Reisedurchfall

Reisedurchfall wird fast immer durch eine Infektion des Magen-Darm-Trakts ausgelöst. Verursacht wird diese meist von Bakterien. Häufigste Erreger sind enterotoxinbildende Stämme des Bakteriums Escherichia coli (kurz: ETEC). Diese Mikroorganismen schütten im Darm der Betroffenen bestimmte Giftstoffe aus, so genannte Enterotoxine, die eine erhöhte Elektrolyt- und Wasserausscheidung über die Darmwand bewirken. Auch Salmonellen oder Shigellen lösen oft Reisediarrhö aus. Sie geben ebenfalls Gifte ab, schädigen aber zusätzlich die Darmwand, indem sie in diese eindringen. Neben Bakterien kommen auch Viren (zum Beispiel das Norovirus) oder seltener Parasiten wie Amöben (Amöbenruhr) als Ursache in Frage.