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Infektionskrankheiten:Trolle vergiften die Impf-Debatte

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Impfkritische Stimmen sind auf Twitter sehr laut.

(Foto: dpa)
  • US-Wissenschaftler haben Twitter-Nachrichten zum Thema Impfen analysiert.
  • Ihnen fiel auf, dass ein Großteil der impfkritischen Bemerkungen von Nutzern kam, bei denen nicht klar wurde, ob tatsächlich ein Mensch dahinter steht.
  • Zum Teil wurden falsche Behauptungen zum Impfen benutzt, um auch andere Fehlinformationen zu verbreiten.

Schon in Märchen haben Trolle selten Gutes im Sinn. Ähnliches gilt für ihre Namensvetter im Internet. Wenn Trolle falsche Informationen zum Thema Impfen verbreiten, können sie für andere Menschen richtig gefährlich werden ( American Journal of Public Health).

David Broniatowski von der George Washington University hat Twitter-Nachrichten analysiert, die zwischen Juli 2014 und September 2017 zum Thema Impfen gelaufen waren. Er wollte herausfinden, ob die Botschaften von Internet-Trollen kamen, also von Menschen, die aus schlechter Laune stänkern oder absichtlich Lügen verbreiten. Oder von Bots, von Computerprogrammen, die auf spezifische Themen reagieren und dann vorher programmierte Information absetzen. "Die große Mehrheit der Amerikaner glaubt, dass Impfungen sicher und wirksam sind. Doch auf Twitter sieht es so aus, als gäbe es darüber eine große Debatte", sagt Broniatowski. Das sei besorgniserregend, weil Eltern heute mehr auf Informationen aus dem Internet vertrauen als ihrem Arzt. Entsteht im Internet ein verzerrtes Bild der echten Impfdebatte, beeinflusse das die Eltern erheblich.

Die Tweets dienten als Köder für Produkte oder politische Botschaften

Woher aber kamen die irreführenden Twitter-Botschaften? 93 Prozent der untersuchten Twitter-Nachrichten konnten die Wissenschaftler nicht eindeutig zuordnen. Sie wussten also nicht, ob ein Mensch oder eine Maschine dahintersteckte. Womöglich wurden die Nachrichten manchmal von Computerprogrammen, manchmal von Menschen generiert, vermutet Broniatowski. Vor allem aber war auffällig, dass ein Großteil dieser nicht eindeutig zuzuordnenden Twitter-Konten impfkritische Inhalte verbreitete.

Die Absichten dahinter waren sehr unterschiedlich: Mal diente die irreführende Information als Köder, um Werbung, Produkte oder schädliche Programme unter die Menschen zu bringen. Mal verbargen sich dahinter auch politische Absichten, wie eine Subanalyse von 253 Twitter-Nachrichten ergab. Sie alle waren mit einem speziellen Hashtag versehen: #VaccinationUS. Wie sich herausstellte, waren alle diese Nachrichten auf Trolle zurückzuführen, die mit der Internet Research Agency in Verbindung stehen - jener Firma, die kürzlich angeklagt wurde, sich in die US-Wahlen 2016 eingemischt zu haben, mit Unterstützung der russischen Regierung.

Diesmal wurde das Thema Impfen benutzt, um über kontroverse Themen in polarisierender Sprache zu diskutieren - Rassismus etwa oder die Unterschiede zwischen Arm und Reich. "Die Impfdebatte wird als Munition verwendet, um auch andere Fehlinformationen zu verbreiten", sagt Broniatowski. Um dagegen vorzugehen, müsse man den Ursprung und den Kontext der Nachrichten aber noch besser verstehen. Und die Twitter-User dann darüber informieren.

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