Höhlenrettung in Thailand Darum dürfen die Angehörigen nicht zu den Jungen

Die Retter tragen Infektionsschutz, um die geschwächten Jugendlichen nicht zu infizieren.

(Foto: REUTERS)

Die zwölf Jugendlichen befinden sich nun in Quarantäne. Für ihre Körper ist das Drama noch nicht zu Ende - für ihre Seelen womöglich noch lange nicht.

Von Felix Hütten

Gerettet! Alle zwölf Jungen und ihr Trainer haben die Tham-Luang-Höhle verlassen, sie sind raus aus dem Berg - und nach allem, was man von den Hunderten Journalisten vor Ort hört, sind sie auch über dem Berg: keine Lebensgefahr. Die Jungen werden in einer eigens für sie abgeriegelten Krankenhausetage behandelt. Nach derzeit noch unbestätigten Informationen sollen zwei von ihnen auf der Intensivstation liegen, zwei weitere Jungen an einer Lungenentzündung erkrankt sein.

Alle Jungen befinden sich derzeit in Quarantäne, nicht einmal die engsten Verwandten dürfen sie in ihre Arme schließen. Es ist davon auszugehen, dass das Immunsystem der Jugendlichen nicht mit ganzer Kraft arbeitet, weshalb sie besonders anfällig für Erreger aus der Umwelt sind. Liebkosende Väter, Mütter und Geschwister mögen gut für die Seele sein, aber jeder Körperkontakt birgt die Gefahr einer Infektion. Die Jugendlichen sind unterernährt und haben wenig geschlafen, da können selbst für gesunde Menschen eigentlich harmlose Schnupfenviren zur ernsten Gefahr werden.

Wenn die Angst hochkommt

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Einige der Jugendlichen sollen sich bereits an das Tageslicht gewöhnt haben, andere tragen noch immer Sonnenbrillen, um den Augen Zeit zu geben, wie die New York Times berichtet. Alle zwölf werden mit Antibiotika behandelt und sollen gegen Tetanus und Tollwut geimpft worden sein, sagte Jesada Chokedamrongsuk vom thailändischen Gesundheitsministerium. Eine Vorsichtsmaße, da unklar ist, ob in der Höhle Fledermäuse leben, die den Tollwuterreger übertragen können. Tetanuserreger kommen zudem in der Erde und im Staub vor und gelangen über kleine Wunden in den Körper - es reicht ein blutiger Zeh, den man sich an einer scharfen Steinkante aufgeschlagen hat.

Die Ärzte wollen nun abwarten, ob die Jugendlichen Fieber bekommen oder andere Symptome einer Infektion zeigen, die sie sich auch durch Keime im Höhlenwasser zugezogen haben könnten. Denkbar sind leichte Magen-Darm-Infekte, die zu Erbrechen und Durchfall führen. Aber auch schwerere Infektionen, zum Beispiel eine Leptospirose, deren Erreger über den Urin von Ratten und Mäusen übertragen werden und zu Grippe mit Fieber und Gliederschmerzen führen. Ebenfalls möglich ist eine Histoplasmose, ausgelöst durch einen Pilzerreger, der sich im Boden und in Exkrementen von Fledermäusen befindet.

Neben allen körperlichen Problemen sind auch die möglichen psychischen Schäden nicht zu unterschätzen. Diese könnten die jungen Patienten womöglich deutlich länger begleiten als jede Infektion: Tage in Todesangst, eingesperrt in Dunkelheit, ohne zu wissen, ob man sie jemals finden wird. So etwas zehrt an der Seele eines jeden Menschen. Es sei daher enorm wichtig, dass die Jugendlichen nach ihrer Rettung psychologisch betreut werden, sagt Martin Keck, Klinikdirektor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Denn die Erinnerung versetze manche Überlebenden noch Wochen später zurück in die Finsternis, zurück in die Todesangst. Tatsächlich kann eine posttraumatische Belastungsstörung die Erlebnisse noch Jahre später wieder hochkommen lassen. Panikattacken, Alpträume, Schweißausbrüche, all das kann auf die Jugendlichen noch zukommen. Allerdings: Die Jugendlichen waren in der Höhle nie alleine, sie konnten sich gegenseitig aufmuntern. Und nun, nach der Rettung, sind die Familien vor Ort, die ganze Welt nimmt Anteil. Das könnte ihre Erlebnisse etwas erträglicher machen.

Derzeit laufen Untersuchungen, die Jungen werden geröntgt, ihr Blut im Labor auf Erreger untersucht. Bis die Ergebnisse da sind, werden sie wohl in Quarantäne bleiben. In dieser Zeit sollen sie zu Kräften kommen. Denn neben jeder Hightechmedizin brauchen sie noch zwei weitere, eigentlich ziemlich simple Dinge, um wieder fit zu werden: gutes Essen und viel Schlaf.

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