Vermeintlicher Gesundheitsskandal:Neuer Test, anderes Ergebnis

Aufgeschreckt von dem Bericht der Grünen hatte das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung BfR 2015 seinerseits zwei Labore damit beauftragt, Messsysteme zu entwickeln, mit denen sich Glyphosat in Muttermilch zuverlässig nachweisen lässt. Seit der vergangenen Woche liegen die Ergebnisse aus 114 Proben vor: Die Laboranten konnten kein Glyphosat finden. Die Messempfindlichkeit der einen Methode reichte hinunter bis zu einer Konzentration von einem Nanogramm pro Milliliter, die andere konnte sogar ein halbes Nanogramm pro Milliliter nachweisen.

Nun können auch die Messungen im Auftrag des BfR nicht garantieren, dass Muttermilch keinerlei Glyphosat enthält. Es ist nur sehr unwahrscheinlich. In Tierversuchen hat sich bislang nicht zeigen lassen, dass Glyphosat in Milch auftaucht. Das Pestizid löst sich generell in Wasser, aber nicht in Fett, weshalb es wahrscheinlich mit dem Urin aus dem Körper gespült wird und sich nicht in den Fettdepots einlagert.

BfR und die Nationale Stillkommission betonen, Muttermilch sei die beste Nahrung für Säuglinge, und die Messungen böten keinen Anlass zur Besorgnis. Hinzu kommt: Selbst wenn die ursprünglich von den Grünen veröffentlichten Glyphosat-Konzentrationen der Realität entsprechen sollten, könnte ein Säugling mehr als 100 Liter Muttermilch pro Tag trinken, ohne dass es nach bisherigem Wissen zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch das Glyphosat kommen würde.

Glyphosatreste in der Nahrung

Unbestritten ist, dass der Mensch mit der täglichen Nahrung Glyphosatreste aufnimmt. Das zeigte auch zuletzt eine Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) im Januar. In 400 Urinproben, die im Verlauf der vergangenen 15 Jahre in Deutschland gesammelt wurden, wiesen die Prüfer Glyphosatkonzentrationen von bis zu 2,8 Nanogramm pro Milliliter nach. Da nicht klar sei, welches Risiko für den Menschen von Glyphosat ausgehe, forderte das UBA die Politik auf, dafür zu sorgen, dass die Aufnahmemengen sinken.

Angesichts der BfR-Veröffentlichung erklärte die Grünen-Fraktion am Montag in einer Mitteilung, ihre Studie habe immerhin die Entwicklung einer zuverlässigen Messmethode angestoßen. Ein Sprecher betonte, man habe nie vor dem Stillen gewarnt, und dies in Schreiben an die Presse auch deutlich gemacht - nur auf der Webseite wurde diese Entwarnung nicht veröffentlicht.

Vor Vergabe des Auftrags habe Biocheck schriftlich zugesichert, dass die Nachweisgrenze in Milch bei 0,075 Nanogramm pro Milliliter liege. Eine Bestimmungsgrenze, also der niedrigste Wert, der sich zuverlässig messen lässt, sei nicht angegeben worden.

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