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Gesundheit:Hessens Corona-Karte wird immer dunkler: Weitere Maßnahmen

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Eine Laborantin bereitet Corona-Proben für die weitere Analyse vor. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Berlin/Wiesbaden (dpa/lhe) - Auch wenn zu Beginn jeder Woche die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen sinkt: Die farbig in Warnstufen eingeteilte Karte des Robert Koch-Instituts (RKI) färbt sich in Hessen immer dunkler. Die Karte ist inzwischen nahezu komplett rot. Am Montag gab es ganz im Norden einen letzten gelben Fleck: Im Werra-Meißner-Kreis wurden nach Angaben des hessischen Sozialministeriums 30,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen registriert. Damit lag der Wert unter der - rot markierten - Marke von 50.

Alle anderen Kreise und kreisfreien Städte Hessens waren am Montag hellrot (50 bis 100) oder dunkelrot (über 100). Der Landesdurchschnitt lag am Montag bei 108,9 positiven Tests auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen.

Spitzenreiter bleibt weiter Frankfurt. Das Sozialministerium gab die wichtige Kennziffer in der größten Stadt des Landes am Montag mit 199,6 an. Die Stadt will bei Corona-Kontrollen nun auf die Hilfe von Bundespolizisten zugreifen und hat nach eigenen Angaben entsprechende Unterstützung angefordert. Bei der Inzidenz folgt auf Frankfurt Offenbach mit 178,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Dunkelrot sind zwei Kreise in Mittelhessen sowie ein breiter Streifen quer über den gesamten Süden Hessens mit Ausnahme der Bergstraße.

Laut RKI-Zählung von Montag haben sich mindestens 625 Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert. Damit wurden seit Beginn der Pandemie 32 852 Menschen in dem Bundesland positiv getestet (Stand 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle, die mit Covid-19 in Verbindung gebracht werden, nahm um zwei auf 611 zu.

Kreise und Kommunen versuchen gegenzusteuern: In Wiesbaden dürfen sich ab Donnerstag im öffentlichen Raum nur noch fünf Personen oder Angehörige aus zwei Hausständen gemeinsam aufhalten. Bei privaten Feiern etwa in Gaststätten dürfen maximal zehn Personen zusammenkommen. "Zusammenkünfte und Veranstaltungen sowie Kulturangebote wie Theater, Opern, Konzerte, Kinos und vergleichbare Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind fortan untersagt", teilte die Stadt mit.

Wer im Wetteraukreis in öffentlichen oder angemieteten Räumen feiern will, darf dies nur noch mit maximal zehn Personen tun. Für Feiern in privaten Räumen werde diese Höchstzahl "dringend empfohlen". Zusammenkünfte sind nur noch mit maximal 100 Teilnehmern möglich. Die Maskenpflicht gilt nun "bei allen öffentlichen Veranstaltungen". Auf belebten Straßen und Plätzen wird das Tragen von Masken empfohlen.

Der Main-Kinzig-Kreis meldete am Montagnachmittag einen Wert von 113,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen und verkündete weitergehende Schutzmaßnahmen, die sich an denen in den benachbarten Kreisen und in der Stadt Frankfurt orientierten. Ab Dienstag sei etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch im Auto verpflichtend, wenn darin Menschen aus unterschiedlichen Haushalten unterwegs seien, das gelte auch für Taxi- und Krankenfahrten.

Auch der Vogelsbergkreis verschärft die Regeln. Dort müssen etwa Kneipen und Restaurants von Mittwoch an bereits um 23.00 Uhr schließen und bis 6.00 Uhr zu bleiben, wie die Kreisverwaltung in Lauterbach mitteilte. Alkohol darf demnach zwischen 23.00 und 6.00 Uhr nicht mehr im öffentlichen Raum getrunken werden.

Hessen verteilt seit dieser Woche zusätzliche Corona-Schutzausrüstung an Gesundheitseinrichtungen. Wie das Sozialministerium mitteilte, sollen mehr als 17 Millionen Masken und rund fünf Millionen Schutzhandschuhe an Krankenhäuser, Altenpflegeheime, den Rettungsdienst sowie Einrichtungen der Jugend-, Drogen- und Wohnsitzlosenhilfe gehen. Die Krankenhäuser seien angewiesen worden, insgesamt 607 Intensivbetten und 1226 Normalbetten für die Versorgung von Covid-19-Patienten bereitzuhalten.

Nach dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin lagen am Montag in Hessen 130 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen (Stand 9.00 Uhr). 57 Patienten wurden demnach beatmet. "Auch wenn die Situation weiterhin sehr ernst ist, besteht in der jetzigen Situation kein Grund, sich um die stationäre Versorgung zu sorgen", teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) mit.

Der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Edgar Pinkowski, rief zur Beachtung der Schutzmaßnahmen auf: "Neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kommt es weiterhin darauf an, Abstand zu halten, zu lüften, die Hände regelmäßig zu waschen und Menschenansammlungen zu meiden", sagte Pinkowski. "Nur wenn alle mitmachen und sich ihrer Verantwortung für sich und andere bewusst sind, können wir diese Pandemie bewältigen."

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