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Krebs:Rauchen begünstigt ein Dutzend Krebsarten

Es droht nicht nur Lungenkrebs: Tabak ist auch eine Ursache von Krebsformen, die von medizinischen Laien kaum mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden.

Der Einfluss, den das Rauchen auf die Entstehung von Krebs hat, wird noch immer unterschätzt. Zwar weiß jedes Kind, dass der Konsum von Zigaretten und anderen Tabakprodukten der Gesundheit schadet. Wie viele Krankheiten in welchem Ausmaß auf Nikotin und Co. zurückzuführen sind, ist jedoch weiterhin zu wenig bekannt. Wissenschaftler aus den USA zeigen nun am Beispiel von zwölf Krebsarten, wie groß der Anteil der Tumore ist, die durch Rauchen ausgelöst werden (JAMA Internal Medicine, online).

Rebecca Siegel von der Amerikanischen Krebsgesellschaft und ihr Team haben die Ursachen für den Krebstod von 346 000 Menschen jenseits von 35 Jahren analysiert, die 2011 in den USA an zwölf Tumorarten starben, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen. Fast 168 000 der Todesfälle und damit 48,5 Prozent waren auf Nikotinkonsum zurückzuführen. Am stärksten war der Zusammenhang zu Krebs der Lunge, der Bronchien und der Luftröhre; 80,2 Prozent dieser Tumore gehen auf das Rauchen zurück. Ein fast so großer Zusammenhang besteht mit 76,6 Prozent der Todesfälle zwischen Kehlkopfkrebs und Nikotinabusus. Aber auch andere Tumore wie Speiseröhren-Krebs (50,7 Prozent), Krebs der Mundhöhle und des Rachens (47 Prozent), sowie der Harnblase (44,8 Prozent) sind etwa zur Hälfte aufs Rauchen zurückzuführen.

Sogar bei Krebsformen, die von medizinischen Laien kaum mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden, findet sich ein Zusammenhang. Bei Tumoren der Leber und der Gallenblase (23,6 Prozent), des Gebärmutterhalses (22,2 Prozent), des Magens (19,6 Prozent), von Niere und Nierenbecken (16,8 Prozent), bei Myeloischer Leukämie (14,6 Prozent), Krebs der Bauchspeicheldrüse (12,1 Prozent) und des Dick- und Enddarms (9,7 Prozent) löst Tabakkonsum in etlichen Fällen Krebs aus. Tumore der Leber sowie von Dick- und Enddarm werden erst seit kurzem mit dem Rauchen in Verbindung gebracht.

Tumore der Leber werden erst seit kurzem mit Tabak in Verbindung gebracht

"Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der Raucher in den USA zwar von 23,2 auf 18,1 Prozent zurückgegangen, doch im Gegensatz zu diesem erfreulichen Trend gibt es Anzeichen dafür, dass die Krebsrisiken bisher unterschätzt worden sind", sagt Rebecca Siegel.

In einem begleitenden Kommentar wird Michael Ong von der University of California in Los Angeles deutlicher. "Die Bemühungen im Kampf gegen das Rauchen reichen noch nicht aus", ermahnt er Ärzte, Forscher und Gesundheitspolitiker. "Zusätzlich zu dem erschreckend hohen Anteil der Krebstoten, die auf Tabak zurückzuführen sind, müssen weitere 17 Prozent der Todesfälle gezählt werden, bei denen Rauchen ebenfalls die Ursache ist, auch wenn diese Leiden noch nicht als nikotinbedingte Erkrankungen etabliert sind."

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Ärzte sollten Raucher stärker dabei unterstützen, sich ihr Laster abzugewöhnen. Schließlich ist aus Umfragen bekannt, dass 70 Prozent aller Tabakkonsumenten gerne aufhören würden; 50 Prozent haben im zurückliegenden Jahr einen erfolglosen Versuch hinter sich.

Eine Studie von Harvard-Medizinern in derselben Ausgabe des Fachmagazins zeigt, dass Ärzte Patienten zwar nach ihren Rauchgewohnheiten fragen und sie zum Aufhören animieren - konkrete Unterstützung bieten sie jedoch selten an. "Wenn Ärzte Raucher zur Beratung schicken, ihnen hilfreiche Mittel verschreiben und nachhaken, wie es klappt, hören auch mehr Menschen auf", sagt Elyse Park, die Leiterin der Studie. "Im Gegensatz dazu hat die Hälfte der Ärzte in unserer Untersuchung nicht mal mit den Patienten darüber geredet, wie sie das Rauchen beenden können."