Ernährung:Wenn es normal wird, sich falsch zu ernähren

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Ernährung: Was tun, wenn Kinder immer dicker werden?

Was tun, wenn Kinder immer dicker werden?

(Foto: Fred Dufour/AFP)

Der aktuelle "Global Nutrition Report" klagt an: Inzwischen sind in fast der Hälfte aller Länder weltweit genauso viele Menschen zu dick wie mangelernährt. Besonders betroffen sind Kinder.

Von Astrid Viciano

Bis zum Jahr 2030 soll endlich Schluss sein. Schluss mit Mangelernährung, Schluss mit Übergewicht, Schluss damit, dass schon Vorschulkinder an krankhafter Fettsucht leiden. An dieses Ziel der Vereinten Nationen erinnern aktuell die Autoren des Global Nutrition Report. "Wir leben in einer Welt, in der es die neue Normalität ist, fehlerhaft ernährt zu sein", sagte Lawrence Haddad vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik bei der Vorstellung des Berichts in Peking.

Inzwischen nämlich sind in fast der Hälfte aller Länder weltweit genauso viele Menschen zu dick wie mangelernährt. Besonders rasant nimmt die Anzahl übergewichtiger Kinder unter fünf Jahren in Asien zu, weltweit sind es insgesamt 41 Millionen Sprösslinge. Bei Erwachsenen betrifft es gar fast zwei Milliarden Menschen, global führend sind darunter nicht nur die USA und Kanada. Auch Mexiko, Libanon und Libyen liegen in der Rangliste weit vorn. Und in afrikanischen Ländern wie Nigeria, Kamerun und Ghana ist immerhin ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen. Als hätte ein Windstoß kräftig durch alte Statistiken gepustet, haben die Untersuchungen der vergangenen Jahre geläufige Daten durcheinandergewirbelt und Ärzte wie Patienten vor völlig neue Herausforderungen gestellt.

Mit 560 Kilogramm schafft es der schwerste Mensch der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde

Noch vor 30 Jahren standen in Entwicklungsländern Hunger und Infektionskrankheiten im Vordergrund der nationalen Hilfsprogramme. Durchfallerkrankungen, Aids, Malaria galten als große Bedrohungen der Bevölkerung. Ebenso gefürchtet war die Unterernährung, die viele Menschen besonders anfällig für Infektionskrankheiten machte. Doch schon im Jahr 2006 schaffte es der inzwischen verstorbene Mexikaner Manuel Uribe mit 560 Kilogramm als schwerster Mensch der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde.

Innerhalb nur einer Generation ist die Fettleibigkeit zu einem gigantischen Problem herangewachsen. Die Regierungen sind auf die neue Situation nicht vorbereitet, und viele von ihnen haben weder die politische noch die finanzielle Schlagkraft, um das Übergewicht und seine gesundheitlichen Folgen wie Diabetes mellitus erfolgreich zu bekämpfen. Zumal sich bei einem Typ-2-Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdoppelt. Halten sich die Patienten nicht an ihre Therapie, drohen Erblindung, Nervenleiden und Amputationen, Nierenerkrankungen bis hin zur Dialyse.

Weltweit leiden heute 422 Millionen Menschen an Diabetes mellitus. Die Zahl der Erkrankten hat sich in den vergangenen 35 Jahren vervierfacht, so jüngst ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie eine Studie im Fachjournal The Lancet. Daher fordern die Autoren des aktuellen Reports, dass die Länder schleunigst Maßnahmen ergreifen sollten. Um mit dem Übergewicht samt Diabetes Schluss zu machen. Laut Plan bleiben ihnen dafür noch 14 Jahre.

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