Ebola-Patienten in den USA Wie im Horrorfilm

Wie ein eingeschlepptes Virus in den USA eine Massenpanik auslöst, schilderte 2011 der Thriller Contagion des Regisseurs Steven Soderbergh.

(Foto: Warner Bros)

Die Verlegung von zwei Ebola-Patienten in die USA löst in der Bevölkerung heftige Reaktionen aus. Ein Milliardär macht Stimmung gegen Ärzte und Behörden. Dass die Emotionen so hochkochen, könnte auch an Filmen wie "World War Z" liegen.

Von David Hesse, Washington

Im Universitätskrankenhaus Emory in Atlanta, Georgia, sind am Montag Vorbereitungen für die Ankunft der zweiten Ebola-Patientin getroffen worden. Nancy Writebol, eine 59-jährige Missionarin aus North Carolina, soll an diesem Dienstag in einem mit Isolierzelt aufgerüsteten Flugzeug aus Liberia in die USA gebracht werden. Ihr Kollege Kent Brantly, ein aus Texas stammender Arzt, wird bereits im Emory-Krankenhaus behandelt.

Die Verlegung der beiden an Ebola erkrankten Amerikaner in die USA hat in der Bevölkerung Unruhe ausgelöst. Auch unter dem Eindruck von Epidemie-Horrorfilmen wie "World War Z" und "Contagion" herrscht Angst vor einer Ausbreitung der Seuche. "Lasst sie draußen", forderte der Milliardär und Regierungsgegner Donald Trump via Twitter. Als Kent Brantly am Samstag als erster Ebola-Kranker überhaupt in die USA gebracht wurde, berichteten mehrere Sender live von dessen Ankunft. Presse-Helikopter schwirrten über dem Krankenhaus, als der 33-Jährige in einem eskortierten Ambulanzwagen vorfuhr und in einem weißen Schutzanzug aus eigener Kraft zum Eingang des Krankenhauses ging.

Tags darauf musste Thomas Frieden, der Direktor der staatlichen Seuchenschutzbehörde CDC, gleich in vier Sonntagstalkshows erklären, wie sicher die USA vor Ebola seien: "Das Risiko für die US-Bevölkerung ist sehr gering." Das Emory ist eines der vier Krankenhäuser des Landes, die auf besonders gefährliche Infektionskrankheiten spezialisiert sind.

Höhere Sicherheitsbestimmungen für Afrika-Reisende

Frieden betonte, dass Ebola-Patienten in den USA viel leichter gerettet werden könnten als in Westafrika: "Wir wissen, wie wir Ebola stoppen können." Dabei gibt es noch kein Gegenmittel; die Erkrankten werden lediglich abgeschirmt und mit Flüssigkeit und Elektrolyten versorgt. So wird dem Körper wertvolle Zeit für den Abwehrkampf gegen das Virus verschafft. Kent Brantlys Zustand soll sich verbessert haben. In Westafrika aber sind diese Bedingungen nicht gegeben, und eine Ebola-Ansteckung verläuft in 55 Prozent der Fälle tödlich. Um diese Rate zu senken, will die US-Regierung nun 50 Spezialisten in die Region entsenden. Im Fernsehen wehrte sich Seuchendirektor Frieden gegen Vorwürfe, so würden weitere US-Bürger gefährdet: "Das Beste, was wir für den Schutz der Amerikaner tun können, ist, diese Krankheit an ihrem Ursprungsort zu stoppen - in Afrika." Von September an wollen die US-Behörden zudem einen neuen Impfstoff an Menschen testen.

Bis dahin soll den ungleichen Bedingungen in den USA und Afrika an der Grenze Rechnung getragen werden. Am Freitag hat Präsident Barack Obama erhöhte Sicherheitsbestimmungen für alle aus Afrika einreisenden Personen angekündigt. Man werde sie schon am Abflugort speziell überprüfen.

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Dabei hätte der afrikanisch-amerikanische Austausch gerade dieser Tage schwungvoller sein sollen als sonst. Knapp 50 afrikanische Staatschefs werden diese Woche zum ersten "African Leaders Summit" in Washington erwartet. Bis auf die geächteten Oberhäupter von Eritrea, Sudan, Simbabwe und der Zentralafrikanischen Republik hat Obama alle Staatsoberhäupter eingeladen. Angesichts so vieler afrikanischer Gäste sorgt sich ein Teil der Amerikaner um die Volksgesundheit.

Am Freitag musste Obama öffentlich erklären, dass Ebola nicht ohne Weiteres, sondern nur durch Körperflüssigkeit übertragen wird. Seine Regierung will den Gipfel wie geplant durchführen. Liberia und Sierra Leone allerdings haben wegen der Seuchenkrise ihre Teilnahme bereits abgesagt. Im Zuge des Afrikagipfels wird Obama die Staatsoberhäupter am Dienstag zu einem Dinner im Weißen Haus empfangen. Bilaterale Treffen sind nicht geplant; dem Kontinent soll explizit nur als Ganzes begegnet werden. Schon seit dem Wochenende laufen Begleitveranstaltungen; die meisten drehen sich um Handel und Investition.

Das allererste Ereignis allerdings war religiös geprägt: Die staatliche Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID würdige am Freitag unter dem Motto "Faith Works" die "wichtige Arbeit" von Glaubensgruppen in Afrika. Auch die beiden nun an Ebola erkrankten Amerikaner sind für christliche Organisationen tätig, Nancy Writebol für das Missionswerk "SIM USA", Kent Brantly für "Samaritan's Purse". Beide Gruppen haben ihren Sitz in North Carolina und in Liberia zusammengespannt. Samaritan's Purse liefert gemäß eigenen Angaben Hilfe sowie Gottes Wort an Bedürftige. In der Vergangenheit hat die amerikanische Presse allerdings Vorwürfe gegen das Werk erhoben, da es in El Salvador erst nach obligatorischen Bibelstunden vom US-Staat gestellte Hilfsgüter verteilt habe.