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Demenz:"Es gibt Bücher , in denen Alzheimerforscher als Lügner und Büttel der Pharmaindustrie dargestellt werden"

Man müsste die Krankheit also möglichst früh erkennen. Ist das möglich?

Leider nein. Ein einfacher, preiswerter Test zur Früherkennung fehlt uns. Wir können allerdings Amyloid-Ablagerungen schon in der Frühphase durch Bildgebung zeigen. Doch das ist sehr teuer.

Denken Sie, dass wir demnächst wirkungsvolle Therapien gegen die Alzheimererkrankung haben werden?

Kurzfristig wohl nicht. Aber langfristig sehe ich schon recht gute Chancen, dass wir Strategien finden, die an den Ursachen der Erkrankung ansetzen und die Krankheit zumindest deutlich verzögern können.

Alzheimer Neue Alzheimer-Therapie reduziert Ablagerungen im Gehirn
Alzheimer

Neue Alzheimer-Therapie reduziert Ablagerungen im Gehirn

Viele Forscher sind begeistert - doch ob es Patienten dadurch tatsächlich besser geht, ist noch lange nicht klar.   Von Hanno Charisius

Nicht alle glauben daran. Das geht so weit, dass die bisherigen Erklärungen als Lügen bezeichnet werden.

Ja, es gibt Bücher und Aufsätze, in denen Alzheimerforscher als Lügner und Büttel der Pharmaindustrie dargestellt werden. Es gibt bei diesen Veröffentlichungen leider keinerlei Kontrollinstanz. Niemand überprüft, ob stimmt, was da behauptet wird. Wissenschaftler haben dagegen sehr strenge Kontrollmechanismen. Jede Studie wird vor Veröffentlichung von anderen Forschern begutachtet. Extrem häufig werden Studien abgelehnt oder erst nach massiven Ergänzungen und Verbesserungen publiziert. Und selbst wenn einmal ein Fehler durchgehen sollte, kommt garantiert später jemand, der die falschen Ergebnisse widerlegt.

Sie müssen sich mittlerweile für Ihre Ansichten vor Gericht verantworten. Was ist passiert?

Wir haben uns verpflichtet gefühlt, regelmäßig auch Laien verständlich über unsere Erkenntnisse zu informieren und dazu mit der Münchner Alzheimergesellschaft zusammengearbeitet. Einmal habe ich in diesem Rahmen ein Buch über Alzheimer rezensiert, in dem der Pharmaindustrie und den Alzheimerforschern vorgeworfen wird, dass ihre Erkenntnisse vornehmlich der profitablen Entwicklung von Medikamenten und dem Befördern von Karrieren dienen. Der Autor bezichtigt mich nun der Falschaussagen über sein Werk und hat mich verklagt. Das hat mich schon ziemlich viel Geld, Nerven und Zeit gekostet. Mit all den Halbweisheiten, die heute über soziale Medien und in wissenschaftlich unkontrollierten Büchern verbreitet werden, rutschen wir langsam in das Mittelalter zurück.

Denken Sie manchmal daran, Ihre Forschung von der Öffentlichkeit möglichst fernzuhalten?

Tatsächlich haben wir das regelmäßige Programm zur Information der Öffentlichkeit eingestellt. Das ist sehr bedauerlich. Dennoch sehe ich es weiter als meine Pflicht an, die Ergebnisse unserer Arbeit transparent und verständlich zu erläutern. Der Steuerzahler hat ein Recht zu wissen, wofür sein Geld ausgegeben wird.

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