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Covid-19:Hunderttausende Virustests bleiben ungenutzt

Corona-Ambulanz in München, 2020

Corona-Ambulanz in München: Ärztin nimmt einen Rachenabstrich.

(Foto: Florian Peljak)

Mehr als 800 000 Tests auf das Coronavirus können Labore in Deutschland derzeit pro Woche anbieten. Doch laut aktuellen Zahlen wird die Kapazität längst nicht ausgeschöpft. Warum Fachleute den Überschuss begrüßen.

Obwohl Epidemiologen das Aufspüren von Infizierten mithilfe von Virustests für das wichtigste Werkzeug zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie halten, werden in Deutschland bei weitem nicht so viele Tests gemacht, wie die Labore leisten könnten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ging die Zahl der wöchentlich vorgenommenen Coronavirus-Tests zuletzt sogar spürbar zurück.

In der 16. Kalenderwoche ab dem 13. April übermittelten 161 Labore eine Gesamtzahl von 323 449 Tests an das RKI, 6,7 Prozent davon (21 538) hatten dabei das Virus aufgespürt. Zwei Wochen zuvor waren es noch gut 408 000 Tests, mit einer Positiv-Quote von neun Prozent. Für die darauffolgende 17. Kalenderwoche gaben 126 Labore an, insgesamt deutlich über 800 000 Tests auf Sars-CoV-2 abwickeln zu können. Seit Ende Februar hat sich die Testkapazität in Deutschland jedoch schätzungsweise um den Faktor 20 gesteigert. Es übermitteln allerdings noch nicht alle Labore, die Coronatests anbieten, an das RKI.

Seit Mitte März übersteigen die Kapazitäten die Nachfrage

Nach den Zahlen, die das des RKI am vergangenen Freitag veröffentlichte, hat die bundesweite Nachfrage nach Virustests nie die Laborkapazität in Deutschland überschritten. Nur Mitte März wäre es fast dazu gekommen, seither können mehr Tests gemacht werden, als jeweils nachgefragt wurden. Lokal konnte und kann es dennoch zu Engpässen kommen.

Nur 50 Labore meldeten vor 14 Tagen Lieferschwierigkeiten im Bereich der notwendigen Verbrauchsmaterialien an das RKI. Hauptsächlich fehlt es an Extraktionskits, mit denen das Erbgut der Viren aus den Proben isoliert wird. Auch Abstrichtupfer sind immer wieder Mangelware, jene Wattestäbchen, mit denen im Verdachtsfall Proben aus dem Rachenraum abgestrichen werden.

Die niedrigen Testzahlen könnten damit zusammen hängen, dass derzeit viele Arztpraxen geschlossen haben und Patienten, die vielleicht einen Test machen lassen wollen, nicht die notwendige "Laboranforderung" bekommen. Diese ist die Voraussetzung für die Abrechnung mit der Krankenkasse.

Jeder mit Atemwegserkrankung soll sich nun testen lassen

Dass die Testkapazitäten nicht ausgeschöpft werden, könnte aber auch gute Nachrichten bergen. Hinter der sinkenden Nachfrage könnte das sich beruhigende Infektionsgeschehen stehen.

Andererseits hat sich das Angebot in kurzer Zeit so sehr gesteigert, dass bei wieder steigenden Fallzahlen zunächst genug Reserven vorhanden sein dürften, um sämtliche Kontaktpersonen von Infizierten zu überwachen. Die überschüssigen Kapazitäten haben es auch erlaubt, die Hürden für einen Test zu senken. Laut RKI sollte jetzt jeder mit Atemwegsinfekt getestet werden. "Im Moment ist das von den Testkapazitäten her möglich und sicherlich auch eine wichtige Maßnahme, um Fälle schnell zu erkennen", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade dazu. Gut möglich, dass die Zahl der Tests dadurch bald wieder steigt.

Die ausgebauten Kapazitäten sollten nach Einschätzung von Experten jetzt vor allem genutzt werden, um Mitarbeiter und Patienten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen engmaschig zu testen. Dort ist das Infektionsrisiko besonders hoch.

© SZ.de/cvei
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