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Corona-Pandemie:Covid auf Reisen

Tourismusbranche in MV zieht Bilanz

Ein Tag am Strand birgt kein besonders hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren - außer das Gedränge wird zu groß und der Abstand zu den anderen Badegästen ist zu gering.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

Strand, Zug, Hotelbuffet: Tourismus in der Pandemie birgt Risiken. Wo die Gefahr der Übertragung am größten ist und wie Reisende sich schützen können.

Von Berit Uhlmann

Bis zu 31 Prozent aller Corona-Neuinfektionen sollen von Reiserückkehrern verursacht worden sein. Zu der hohen Zahl dürfte auch beigetragen haben, dass die Heimkehrer besonders viel getestet werden. Dennoch ist es plausibel, dass der Urlaub ein Risiko für die Ausbreitung des Coronavirus darstellt, auch wenn man Orte wie Kreuzfahrtschiffe meidet. Auf Reisen kommen Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen zusammen, auch solchen, in denen das Virus stärker grassiert. Lange freie Tage, in denen man die beunruhigenden Nachrichten von sich fernhält, das Gefühl von Leichtigkeit, der Wein - das alles kann dazu beitragen, dass die Vorsicht nachlässt. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich auf Reisen und Ausflüge begeben.

Strand

Sonnenhungrige soweit das Auge reicht, dicht an dicht mitten in der Pandemie: Die Bilder von vollen Badestränden galten vielen als Symbol des neuen Leichtsinns. Da mag etwas dran sein. Generell aber dürfte ein Strandtag ein verhältnismäßig geringes Infektionsrisiko bergen. Hier trägt der Wind etwaige Viruspartikel rasch davon. Hohe Temperaturen, so zeigten bisherige Studien, übersteht das Virus nicht lange, weshalb von aufgeheizten Geländern und anderen Oberflächen keine sehr große Gefahr ausgehen sollte. Wie gut der Erreger Wasser verträgt, ist noch nicht klar. Viren mit einer Hülle - zu denen auch das neue Coronavirus gehört - gelten als nicht sehr stabil im Wasser. Unabhängig davon werden Mikroben in großen Gewässern schnell verdünnt. Eine Gefahr besteht vor allem, wenn es am Strand zu eng wird. Es ist daher ratsam, auch in der sonnentrunkenen Stimmung den Abstand zum Strandnachbarn immer mal wieder zu kontrollieren.

Schwimmbad

Auch Schwimmbäder gelten per se nicht als besonders riskante Orte. Chlor inaktiviert Sars-CoV-2. Es wird angenommen, dass Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit den Erreger rasch unschädlich machen. Ganz sicher ist die Sache jedoch nicht. In China wurde ein Ausbruch in einem Schwimmbad mit Sauna dokumentiert, bei dem sich neun Männer über einen Zeitraum von mehreren Tagen angesteckt hatten - obwohl dort Temperaturen von 25 bis 41 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent herrschten. Die Details dieser Übertragung sind nicht geklärt. Dennoch empfiehlt es sich, auch im Schwimmbad unbedingt auf Abstand zu achten, kein Wasser zu verschlucken und eventuell eine Schutzbrille zu tragen.

Öffentliche Toilette

Was die Physiker da in großer Detailfreude simuliert haben, klingt gruselig. Toilettenspülungen, so war jüngst in einem Fachmagazin zu lesen, erzeugen starke Turbulenzen, in denen "ohne Ausnahme massive Aufwärtsbewegungen von Teilchen" beobachtet werden könnten. Viruspartikel könnten damit bis zu einem halben Meter weit aus der Schüssel heraus geschossen werden und sich in der Umgebung ablagern. Allerdings ist noch nicht klar, ob Sars-CoV-2 über Fäkalien übertragen werden kann. Zwar wurden in Stuhlproben bereits Erreger gefunden, die in einigen wenigen Fällen sogar noch infektiös waren. Doch bedeuten diese Laborbefunde nicht, dass solche Infektionen auch zwangsläufig vorkommen. Prinzipiell aber ist nicht zur Benutzung viel frequentierter und selten gereinigter Toiletten zu raten. Wer nicht umhin kommt, sollte ein paar Vorsichtsmaßnahmen beachten: Beim Spülen den Deckel schließen, möglichst wenig anfassen und sich gründlich die Hände waschen. Seife zerstört die Fettschicht der Coronavirus-Hülle, was das Ende des Erregers bedeutet. Wenn Seife fehlt, ist ein Desinfektionsmittel eine gute Alternative.

Hotelbuffet

Es gibt bis heute keinen Nachweis, dass das Coronavirus über Lebensmittel übertragen wird. Die potenzielle Gefahr des Buffets rührt eher daher, dass es vor dem Toaster zu Gedränge kommen kann. Und dass viele Menschen die gleichen Gegenstände berühren: Brötchenzangen, Käsegabeln, Knöpfe an der Kaffeemaschine. Eine Infektion über kontaminierte Oberflächen gilt nicht als der Hauptübertragungsweg des Coronavirus, wird aber auch nicht ausgeschlossen. Wer sichergehen will, nimmt frisches Besteck, um das Frühstück auf den Teller zu befördern. In Gaststätten steigt das Übertragungsrisiko vor allem, wenn sie schlecht belüftet und voll sind. Noch größer wird die Gefahr, wenn die Gäste laut reden, weil mit dem stärkeren Luftstrom eben auch potenziell mehr Viren ausgestoßen werden.

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