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Ansteckung nach Impfung:Ein Restrisiko bleibt

Corona-Impfung: Menschen warten in einem Impfzentrum in Köln

Untersuchungen legen nahe, dass Geimpfte deutlich weniger Erreger in Nase und Rachen haben als Ungeschützte: Wartende in einem Impfzentrum in Köln.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Auch vollständig Geimpfte können das Virus wohl weitergeben. Allerdings deuten immer mehr Studien darauf hin, dass sie deutlich weniger ansteckend sind als Menschen ohne Impfschutz.

Von Berit Uhlmann

Eines ist schon seit Längerem klar: Die in Deutschland zugelassenen Vakzine schützen gegen eine Covid-19-Erkrankung. Und sie machen das gut. Vor allem schwere Verläufe verhindern sie sehr zuverlässig. Doch zugleich stand immer eine Sorge im Raum: Können sich Geimpfte noch immer infizieren und so das Virus womöglich unbemerkt an andere weitergeben? Mittlerweile gibt es eine Reihe von Daten, die nahelegen, dass dies zumindest nicht sehr häufig passieren dürfte.

So teilten die Hersteller Pfizer und Biontech im März mit, dass nach Erkenntnissen aus dem israelischen Impfprogramm Geimpfte im Vergleich zu Ungeschützten zu 94 Prozent weniger asymptomatische Infektionen bekommen haben. Und wer nicht infiziert ist, kann das Virus auch nicht weitergeben. Noch nicht wissenschaftlich publizierte Daten aus Israel legen zudem nahe, dass die Geimpften, die sich dennoch anstecken, eine viermal geringere Virusmenge in Nasen- und Rachenraum tragen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass niedrigere Viruskonzentrationen das Risiko weiterer Übertragungen senken.

Eine US-Studie bestätigt dieses Ergebnis im Wesentlichen. Sie ergab, dass Geimpfte einen 80 Prozent besseren Schutz vor symptomlosen Infektionen haben als Ungeimpfte. Untersucht wurden Menschen, die die Vakzine von Biontech und Moderna bekamen.

Weitere Hinweise liefert eine große Studie aus Schottland. Wissenschaftler haben dabei beobachtet, wie viele Menschen sich im engen Umfeld von vollständig Geimpften tatsächlich anstecken. Die Forscher verfolgten dazu das Schicksal von etwa 200 000 ungeimpften Menschen, die mit bereits geimpften Ärzten und Pflegern zusammenlebten. Diese Menschen profitierten offenbar deutlich von der Immunisierung ihrer Mitbewohner. Unter ihnen traten nur etwa halb so viele Infektionen auf wie bei engen Kontaktpersonen von ungeimpften medizinischen Angestellten. Die Erkenntnisse dieser noch nicht wissenschaftlich begutachteten Studie gelten für die Produkte von Biontech/Pfizer und Astra Zeneca.

Der WHO ist die Datenlage noch zu unsicher

Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben die US-Behörden bereits einige Corona-Regeln für komplett Immunisierte gelockert. So können die Geimpften reisen, ohne sich anschließend in Quarantäne begeben zu müssen. Dennoch müssen sie an öffentlichen Orten Masken tragen und die Abstandsregeln einhalten. Denn zum einen sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch begrenzt. So bekräftigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag, dass sie die Datenlage zum Ansteckungsrisiko durch Geimpfte weiterhin als unsicher betrachte. Zum anderen zeigen die bisherigen Analysen eben auch, dass Ansteckungen nicht ausgeschlossen sind.

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Das gilt aber auch für die Antigen-Schnelltests, auf die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sich berief, als er sagte, dass vollständig Geimpfte in Deutschland künftig so wie negativ Getestete behandelt werden sollten. Diese Tests müssen nach den in Deutschland geltenden Anforderungen mindestens 80 Prozent aller Infizierten erkennen. Das bedeutet, dass selbst bei korrekter Anwendung ein Restrisiko von bis zu 20 Prozent bleibt. Dass also ein negativ getesteter Mensch mit Sars-CoV-2 infiziert ist - und so zur potenziellen Ansteckungsquelle wird.

© SZ/rpr
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