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Coronavirus:Für wie viele Menschen reicht der Impfstoff?

Coronavirus âÄ" Impfstart im Städtischen Klinikum Dresden

Begehrte Flüssigkeit: Derzeit gibt es zuwenig Impfstoff gegen das Coronavirus.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentral)

Wie viele Dosen Deutschland bestellt hat und ab wann die Herdenimmunität erreicht ist. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Berit Uhlmann

Wie viele Impfstoffdosen hat Deutschland bestellt?

Insgesamt, so stellt es das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Aussicht, wird Deutschland wahrscheinlich 300 Millionen Impfstoffdosen gegen das Coronavirus erhalten. Das sind mehr als genug. Allerdings sind in dieser Summe auch Bestellungen von Vakzinen eingerechnet, die noch nicht zugelassen sind und deren Lieferdatum noch nicht abzusehen ist. Deutschland erhält den Großteil der Impfstoffdosen über Verträge, die die EU ausgehandelt hat. Übereinkünfte gibt es unter anderem mit den Firmen Biontech und seinem Partner Pfizer, mit Moderna, Astra Zeneca und dem deutschen Unternehmen Curevac.

Wann werden die Unternehmen liefern?

In der Europäischen Union ist bisher nur der Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen. Von ihm hat sich Deutschland bis jetzt fast 56 Millionen Dosen gesichert. Bis Ende Januar sollen drei bis vier Millionen Dosen geliefert sein, bis Ende März werden bis zu 13 Millionen Dosen erwartet. Über den Impfstoff von Moderna berät die europäische Zulassungsbehörde EMA am Mittwoch. Auch das Präparat von Astra Zeneca, das bereits in Großbritannien eine Notfallzulassung hat, wird von der EMA geprüft. Ein Datum für die Entscheidung gibt es allerdings noch nicht, die Behörde verweist auf noch ausstehende Daten. Curevac hat dagegen erst Ende Dezember die letzte und entscheidende Studienphase begonnen, mit einer schnellen Markteinführung ist nicht zu rechnen. Von jedem dieser Hersteller kann Deutschland mehrere Dutzend Millionen Dosen erhalten. Das sollte die Situation deutlich verbessern; doch wann es so weit ist, ist derzeit noch unklar.

Für wie viele Menschen reichen die Dosen?

Von den bestellten Impfstoffen braucht jeder Geimpfte zwei Dosen, um den bestmöglichen Schutz zu erhalten. Allerdings gibt es Überlegungen, den Abstand zwischen den beiden Spritzen zu strecken. Jeder Impfling bekäme demnach zunächst nur eine Dosis; damit könnten mehr Menschen immunisiert werden. Großbritannien hat dieses Vorgehen bereits beschlossen. Wissenschaftlich ist der Schritt umstritten. Zwar dürfte auch eine Dosis bereits einen recht hohen Schutz bieten. Doch es gibt unter anderem Bedenken, dass eine unvollständige Immunisierung die Bildung von resistenten Erregern begünstigen könnte. Eine weitere Möglichkeit, das meiste aus dem knappen Impfstoff herauszuholen, hat das BMG bereits gebilligt. Danach kann die in den Ampullen gelieferte Impfstoffmenge in sechs, statt wie vorgesehen fünf Spritzen aufgezogen werden. Möglich wird dies, da die Flaschen in der Regel etwas mehr Flüssigkeit enthalten als unbedingt nötig.

Wie viele Menschen müssen immun sein, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen?

Experten gehen derzeit davon aus, dass die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist, wenn etwa 60 bis 70 Prozent der Menschen immunisiert sind. Dann würde das Coronavirus nicht mehr genügend Opfer finden, die es noch infizieren kann. Kleinere Ausbrüche unter Ungeimpften wären zwar weiter möglich, aber das großflächiges Wüten des Erregers wäre beendet. Voraussetzung ist, dass die Impfstoffe auch Infektionen und nicht nur Erkrankungen verhindern, was derzeit noch nicht sicher ist. Auf Deutschland bezogen müssten damit grob gerechnet 50 bis 60 Millionen Menschen geimpft werden. Dieser Wert ist sportlich, denn jüngeren Umfragen zufolge will sich nur jeder Zweite impfen lassen.

Wie viele Menschen sind in Deutschland bereits geimpft?

Bis einschließlich Sonntag wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) etwa 265 000 Menschen einmalig geimpft, das entspricht 0,32 Prozent aller Einwohner in Deutschland. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während Mecklenburg-Vorpommern 0,7 Prozent geimpft hat, sind es in Thüringen erst 0,04 Prozent. Die Angaben sind möglicherweise nicht vollständig. Aber da die Impfstoffverteilung Ländersache ist, sind Unterschiede zwischen den Regionen plausibel. Der größte Flaschenhals dürfte allerdings weniger die Organisation als der Impfstoffmangel sein. In Berlin beispielsweise ist bislang nur ein großes Impfzentrum in Betrieb, für die Öffnung weiterer Zentren gibt es noch nicht einmal einen Termin. "Wir könnten jederzeit loslegen", sagte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung. Nur sind eben nicht genügend Vakzine verfügbar. In Regensburg mussten bereits vereinbarte Impftermine wieder verschoben werden. Grund war auch hier der Impfstoffmangel.

Wer wurde bereits geimpft?

Bisher bekamen nach RKI-Zahlen vor allem Bewohner von Pflegeheimen sowie medizinisches und pflegendes Personal den Impfschutz. Sie gehören neben jenen über 80-Jährigen, die noch zu Hause wohnen, zur Gruppe mit der höchsten Priorität. Anschließend kommen unter anderem Menschen über 70 Jahre, Personen mit bestimmten Erkrankungen, pflegende Angehörige und Polizisten an die Reihe. Ihnen folgen Menschen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben sowie Lehrer und andere Staatsbedienstete wie Richter. Jüngere Menschen ohne viel Kontakt zu potenziell Infizierten erhalten die Spritze als Letzte. Für Kinder ist derzeit kein Impfstoff zugelassen.

© SZ
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