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Comics in der Medizin:Wertvoll für die Gesundheitsaufklärung

Solche komprimierte, intuitiv zu erfassende Informationen hält Michael Green für ein wertvolles Instrument in der Gesundheitsaufklärung. Green unterrichtet an der Penn State University Medizinstudenten und sieht angesichts einer globalisierten Welt, die sich nicht unwesentlich mit Hilfe von Symbolen, Markenzeichen und Emoticons verständigt, die Zeit gekommen, mehr Bilder in die Medizin einzuführen - auch, aber nicht nur, um Menschen mit eingeschränkten Sprachkenntnissen besser zu informieren.

Comics in der Medizin

Der Arzt redet und redet. Die Patientin versteht nur Begriffe wie Krebs, Lymphknoten oder Tumor-Operation.

(Foto: Marisa Acocella Marchetto)

Green schlägt vor, dass Ärzte ihren Patienten Werke wie "Cancer Vixen" empfehlen. Mit dem Comic in der Hand könnten Tumorpatienten sich ein Bild davon machen, welche Prozeduren auf sie zukommen, argumentierte er im British Medical Journal. Die Bildgeschichte habe das Potenzial, zur Grundlage für Visiten zu werden, sie könnte Kranke zu mehr Fragen animieren und dadurch manches Arzt-Patienten-Verhältnis verbessern.

"Schon scheinen Gesundheitsexperten zu denken: Gute Idee, lasst uns Comics machen, um Patienten auf einfachem Weg zu informieren", hat der britische Arzt und Comic-Zeichner Ian Williams beobachtet, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. "Autobiografische Comics können trösten und inspirieren", sagt er. Dennoch bergen die medizinischen Erzählungen für ihn mehr Fragen als Antworten. Zunächst: Nehmen Patienten Comics überhaupt an?

Brian Fies' Erzählung über die Krebserkrankung seiner Mutter wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. "Bei aller Ehre", scherzt der Autor heute, "hat mich die Nominierung sehr überrascht, denn ich hatte bis dahin gar nicht bemerkt, dass ich ein Kinderbuch geschrieben hatte."

Der Preis für "Mutter hat Krebs" zeigt, welches Image Comics anhaftet: Sie gelten als Lektüre für Menschen mit beschränkter Bildung und Lesefähigkeit. "Patienten könnten es als herablassend empfinden, wenn Ärzte ihnen Comics aushändigen", warnt daher Ian Williams. Auch Michael Green räumt ein, dass sich Patienten durch die Leseempfehlung "abgespeist und nicht ernst genommen" fühlen könnten.

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