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Cannabis:Kiffer haben häufiger Sex

Cannabis

Cannabis-Konsumenten haben ein erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen - das Kraut wirkt aber offenbar auch aphrodisierend.

(Foto: dpa)

Cannabis-Konsumenten gelten als antriebslose Typen, die auch sexuell desinteressiert sind. Ein Studie zeigt jedoch das Gegenteil.

Das Klischee eines Kiffers beschreibt einen antriebslosen, schläfrigen Typen, der in seltenen alerten Momenten dazu neigt, Unfug zu labern und den Kühlschrank zu plündern. Eigenschaften wie diese, die ja nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, passen schlecht zur Vorstellung sexuell besonders aktiver Menschen. Im Gegenteil, der Cannabis-Nutzer gilt nicht nur als antriebsloses, sondern auch als triebloses Wesen.

Das scheint jedoch eine Fehlvorstellung zu sein. Urologen von der University of Stanford berichten nämlich im Fachmagazin Journal of Sexual Medicine, dass Kiffer häufiger Sex haben als Menschen, die kein Marihuana oder Haschisch konsumieren. Ob das Gras jedoch der unmittelbare Auslöser gesteigerter geschlechtlicher Aktivitäten ist, können die Wissenschaftler nicht sagen. Es sprächen zwar einige Indizien dafür, so argumentiert der Urologe Michael Eisenberg, aber er mahnt zu wissenschaftlich gebotener Zurückhaltung. Man habe zunächst nur eine Korrelation identifiziert. "Die Daten sagen nicht, dass man automatisch mehr Sex hat, je mehr Marihuana man raucht", sagt der Urologe.

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Im Fokus der meisten Untersuchungen zum Thema Cannabis-Gebrauch stehen gesundheitliche Risiken. Das gilt auch für die Wirkungen des THC-haltigen Krautes auf die sexuelle Aktivität. So berichten Studien davon, dass männliche Intensiv-Konsumenten ein erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen haben. In anderen Studien heißt es, dass auch Menge und Qualität der Spermien durch Marihuana leiden. Befunde wie diese passen gut zum Bild des schlaffen Kiffers, der lieber döst, als seinem Partner näherzukommen. Andererseits haben Versuche an Tieren und Menschen offenbart, dass Cannabis jene Gehirnregionen stimuliert, die mit sexueller Erregung und Aktivität assoziiert werden. Zu letzteren Befunden passt nun die aktuelle Studie.

Gras verstärkt wohl das Gefühl von Verbundenheit und Nähe zu vertrauten Menschen

Die Urologen Eisenberg und Andrew Sun werteten Daten des National Survey of Familiy Growth aus, einer Langzeituntersuchung, an der mehr als 50 000 US-Amerikaner teilnehmen. Jährlich geben die Probanden unter anderem darüber Auskunft, wie oft sie in den vergangenen vier Wochen Sex mit einem Partner des anderen Geschlechts hatten. Außerdem wird abgefragt, wie oft ein Teilnehmer in den vergangenen zwölf Monaten gekifft hat.

24,5 Prozent der Männer und 14,5 Prozent der Frauen gaben an, dass sie im fraglichen Zeitraum Cannabis konsumiert hatten - und den meisten Sex hatten offenbar die regelmäßigen Kiffer. Frauen, die täglich Gras konsumierten, hatten im Schnitt 7,1-mal Sex binnen vier Wochen, während die abstinenten Teilnehmerinnen im gleichen Zeitraum nur sechsmal Geschlechtsverkehr hatten. Unter den Männer zeigte sich ein ähnliches Verhältnis: Die Gewohnheitskiffer hatten 6,9-mal Sex im Monat, die Abstinenten 5,6-mal. In anderen Worten, so Eisenberg, haben regelmäßige Kiffer um 20 Prozent häufiger Sex. Zwischen Cannabis-Konsum und Koitus-Frequenz bestand ein linearer Zusammenhang, das heißt, mit dem Ausmaß des Konsums stieg parallel die sexuelle Aktivität; eine dosisabhängige Korrelation, die für einen ursächlichen Zusammenhang sprechen könnte.

Wenn Marihuana-Liebhaber Forschern von der Wirkung des Krautes berichten, dann geben sie häufig an, eine besondere Nähe und innige Verbundenheit zu vertrauten Personen zu empfinden. Das könnte für eine aphrodisierende Wirkung der Droge sprechen. So oder so, man sollte sich den Kiffer an und für sich wohl als hungrigen Menschen vorstellen, der gerne den Kühlschrank plündert und ein enormes Sehnen nach Nähe zu seinen Liebsten spürt. Aber vielleicht wäre das doch arg romantisierend.

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