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Behandlung von ADHS:Medikamente können Schlafstörungen auslösen

Nebenwirkungen der Medikamente sind hingegen deutlicher auszumachen. Ritalin löst zwar keine ernsthaft bedrohlichen Komplikationen aus, auch wenn die Cochrane-Autoren betonen, dass die Studiendauer im Mittel nur 75 Tage betrug und über Langzeitfolgen daher wenig gesagt werden kann. Das Risiko für Schlafstörungen erhöhte sich unter den Stimulanzien um 60 Prozent, das für Appetitmangel sogar um mehr als das Doppelte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die Scheinmedikamente bekam.

Anfang der Woche hatte eine Analyse im Fachmagazin Pediatrics (online) ebenfalls gezeigt, dass Kinder schlechter einschlafen und häufiger über Schlafstörungen klagen, wenn sie die Pillen nehmen. Jungen erwiesen sich als anfälliger als Mädchen. "Ist der Schlaf beeinträchtigt, sind Kinder in der Folge womöglich gereizt und unkonzentriert", sagt Studienleiterin Katie Kidwell. "Diese Nebenwirkungen schwächen den potenziellen Nutzen der Medikamente ab."

Storebø fordert bessere Untersuchungen, um die Wirkung der Mittel seriöser beurteilen zu können. Unter den analysierten Studien befanden sich etliche, in denen erkennbar war, ob die Zuteilung zur Placebo- oder zur Arzneigruppe erfolgte. Das verfälscht die Aussage ebenso wie die vielen unvollständigen Angaben.

Seriösen Schätzungen zufolge leiden bis zu fünf Prozent aller Kinder an Hyperaktivität, können sich nicht konzentrieren und sind ungewöhnlich impulsiv. Die Diagnose lässt sich allerdings nur anhand der klinischen Einschätzung stellen und die ist subjektiv. "Unsere Auswertung zeigt wenig klare Beweise für den Nutzen von Methylphenidat bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS", sagt Camilla Groth, die ebenfalls an der Cochrane-Analyse beteiligt war. "Einigen könnte es nutzen, aber wir wissen nicht, wer profitiert. Deshalb sollten Ärzte vorsichtiger sein, wenn sie die Mittel verschreiben und bei der Therapie genau auf Schaden und Nutzen achten."

Jugendpsychiater Morris Zwi betont, dass Eltern jetzt nicht darauf drängen sollten, die Therapie zu beenden: "Wenn es Kindern und Jugendlichen nutzt und sie keine Nebenwirkungen haben, gibt es gute Gründe, die Mittel weiterhin zu nehmen." Erstaunlich ist allerdings schon, dass eines der meistverbreiteten Medikamente der Welt zwar buchstäblich in aller Munde ist - aber Nutzen und Schaden trotzdem so unklar sind.

© SZ vom 25.11.2015

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