Alkohol in der Schwangerschaft Prosit mit Risiko

Bislang galt Alkohol in der Schwangerschaft als Tabu ohne Wenn und Aber. Eine aktuelle Studie zeigt aber, dass moderater Alkoholgenuss keine Schäden bei den Kindern nach sich zieht. Warum werdende Mütter trotzdem lieber nichts trinken sollten.

Von Christina Berndt

Ein Glas Sekt zum Anstoßen, ein paar Schluck Rotwein zum Entrecote - Alkohol als gesellschaftlich akzeptiertes Gift gehört zu einem gelungenen Sozialleben weithin dazu. Umso größer sind die Gewissensbisse, die schwangere Frauen meist plagen, wenn sie sich doch einmal zu einem Gläschen haben hinreißen lassen. Schließlich fordern Bundesbehörden, Frauenärzte und Ernährungswissenschaftler aus Sorge um die Babys "Null Toleranz", wenn es um Alkohol in der Schwangerschaft geht.

Aber ist die totale Abstinenz wirklich nötig? Eine aktuelle Langzeitstudie aus Großbritannien kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass Kinder im Alter von zehn Jahren genauso gut auf einem Bein stehen und über einen Schwebebalken balancieren können wie ihre Klassenkameraden, auch wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft bis zu sieben kleine Gläser Alkohol (à 0,1 Liter Wein oder 0,2 Liter Bier) pro Woche getrunken haben (British Medical Journal Open, online).

"Es zeigte sich kein negativer Effekt des Alkohols", folgern die Autoren um John Macleod von der Universität Bristol aus ihren Daten. Das Balanciervermögen der Kinder sei ein guter Indikator für die neurologische Entwicklung, so die Forscher. Denn die Fähigkeit zum Balancieren liege direkt in der pränatalen Entwicklung begründet.

Gleichwohl bleiben deutsche Experten bei ihrer Null-Promille-Empfehlung. "Wir können einfach nicht sagen, wie viel Alkohol vielleicht noch ungefährlich wäre", sagt Jan-Peter Siedentopf, Oberarzt in der Klinik für Geburtsmedizin der Charité. "Deshalb lautet unsere Botschaft: Kein Alkohol in der Schwangerschaft. Punkt."

Die Datenlage sei bis heute nicht eindeutig, sagt auch Mirjam Landgraf, Mitarbeiterin der Pädiatrischen Neurologie am Klinikum der Universität München. Zwar gebe es immer wieder entwarnende Studien, die keinen negativen Einfluss moderaten Alkoholkonsums auf die geistige oder körperliche Entwicklung der Kinder zeigten. Viele dieser Studien seien aber schlecht gemacht. So würden - wie auch in der aktuellen Untersuchung - die Mütter meist nur gefragt, wie viel Alkohol sie getrunken haben; Menschen sind bei solchen Angaben aber selten ehrlich. Zugleich aber haben manche Wissenschaftler bei Kindern im kognitiven Bereich Defizite gefunden, deren Mütter während der Schwangerschaft nur wenig getrunken haben.