Wirtschaftskrise in den USA:Die schleichende Lähmung

Die Republikaner konnten sich in den wesentlichen Punkten durchsetzen: Zur Konsolidierung werden nur die Ausgaben gekürzt, Steuererhöhungen wird es keine geben. Dabei liegt die steuerliche Belastung der US-Bürger deutlich unter dem internationalen Durchschnitt.

Dazu passt auch die Meldung der US-Steuerbehörde, dass 1400 amerikanische Einkommensmillionäre im Krisenjahr 2009 überhaupt keine Steuern bezahlt haben - von insgesamt allerdings 235.413. Das durchschnittliche Einkommen fiel demnach zwischen 2008 und 2009 um 3516 Dollar auf 54.283 Dollar jährlich, das sind 6,1 Prozent.

Wenn Steuererhöhungen die Sparanstrengungen begleitet hätten, wäre der unmittelbare volkswirtschaftliche Schaden wohl geringer ausgefallen, als es die geplanten Einsparungen in Höhe von 2400 Milliarden Dollar befürchten lassen. Diese schneiden die Unternehmen von neuem Kapital ab, die positiven Auswirkungen der Sparorgie greifen allerdings erst in einigen Jahren.

The Great Recession II

Unternehmen verzichten in so unsicherer Lage auf Investitionen, schon melden deutsche Firmen Auftragsrückgänge aus dem Ausland. China, der größte Gläubiger der USA, reagiert gereizt, selbst dort kühlt sich die Wirtschaft ab. Investoren flüchten in sichere Anlagen, horten ihr Geld lieber, als es dem Markt zur Verfügung zu stellen.

Amerika steht vor einer erneuten Rezession - doch diesmal mit gefesselten Händen. Die Mechanismen des freien Marktes scheinen sich endgültig gegen ihren größten Apologeten zu wenden. Und die schleichende Lähmung der größten Volkswirtschaft der Erde droht auf andere Länder überzugreifen, die bis vor kurzem noch besser da standen. Auch auf Deutschland. Die nächste Weltwirtschaftskrise droht, sie wird von Amerika ausgehen. Die New York Times ruft bereits die "Great Recession II" aus. Und der Economist verweist in Ermangelung aktueller Lichtblicke auf die grundlegenden Stärken der US-Wirtschaft: die im Vergleich zu anderen Ländern durchschnittlich jüngere, weniger besteuerte Bevölkerung, innovativere Unternehmen und den Dollar als globale Reservewährung.

Ganz aktuell allerdings die nächste Krisenmeldung: Die Staatsverschuldung der USA liegt zum ersten Mal bei 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ab dieser Schwelle wird es nach Ansicht vieler Ökonomen wirklich gefährlich.

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