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US-Finanzminister Timothy Geithner:Die Nähe zur Wall Street liegt in den Genen

Die Nähe zur Wall Street ist also schon in die Gene der New York Fed eingebaut. Deren Präsident soll einerseits die Wall Street überwachen, wird aber auch von der Wall Street beauftragt.

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Das kann skurrile Nebeneffekte haben. Während der Amtszeit Geithners zum Beispiel saß Richard Fuld im Rat der Fed, der Chef von Lehman Brothers. Fuld war also formell Geithners Aufseher, und einige Beobachter schlossen aus dieser Tatsache im Herbst 2008, dass Lehman niemals untergehen werde. Das sollte sich als fataler Irrtum erweisen.

Wie viele andere unterschätzte Geithner zunächst die Dimension der Finanzkrise völlig. Im März 2007 sagte er der Süddeutschen Zeitung: "Die großen Finanzinstitutionen sind viel stärker, als sie es noch vor fünf oder sechs Jahren waren."

Hinter der Entscheidung, AIG zu retten

Als diese Meinung von der Realität überholt war, entwickelte er zusammen mit Notenbankchef Ben Bernanke und dem damaligen Finanzminister Henry Paulson die Plänen zur Eindämmung der Krise. Er war dabei, als Bear Stearns gerettet und Lehman Brothers die Rettung verweigert wurde.

Vor allem stand er hinter der Entscheidung, AIG zu retten und die Ansprüche der großen AIG-Kunden komplett zu erfüllen. Das führte notwendigerweise dazu, dass das Geld der Steuerzahler direkt in die Kassen von Goldman Sachs und anderen floss. Kritiker sagen, Geithner hätte von den Kunden ein Opfer verlangen sollen; das wäre damals zu riskant gewesen, entgegnet Geithner.

Der Name Goldman ist insofern kritisch für Geithner, als sein Förderer Robert Rubin früher einmal an der Spitze der Investmentbank gestanden hatte. Mit Rubin, der zuletzt für Citigroup arbeitete, stimmte sich Geithner immer wieder ab.

Den Ernst der Lage übersehen

Auch mit anderen Größen der Wall Street traf er sich regelmäßig oder telefonierte zumindest mit ihnen: Sanford Weill, der frühere Chef von Citigroup, und dessen Nachfolger Charles Prince: außerdem Lloyd Blankfein von Goldman Sachs, Jamie Dimon und John Mack von Morgan Stanley. Trotz all der Mittagessen und Telefonate habe Geithner völlig übersehen, wie ernst die Lage bei Citi war, so die New York Times.

Aus all diesen Gründen war Geithner schon umstritten, als er am 20.Januar sein Amt antrat. Zudem war herausgekommen, dass er während seiner Zeit beim IWF zu wenig Steuern gezahlt hatte. Das führte dazu, dass ihn der Senat mit einem der schlechtesten Ergebnisse bestätigte, das je ein US-Finanzminister in der Geschichte erreicht hatte.