Preisaufschlag Ökoenergie treibt Strompreis in die Höhe

Zahlen, zahlen, zahlen: Die Ökostromabgabe soll nach Angaben aus Branchenkreisen um 70 Prozent steigen. Damit erreichen die Kosten für Ökoenergie einen Rekordstand.

Von Markus Balser

Deutsche Stromkunden müssen im kommenden Jahr mit kräftigen Preiserhöhungen rechnen. Die Ökostromabgabe soll nach Angaben aus Branchenkreisen um 70 Prozent steigen. Für einen Vier-Personen-Haushalt bedeutet das von 2011 an jährliche Mehrkosten von bis zu 70 Euro.

Ein Vier-Personen-Haushalt muss aufgrund der höheren Ökostromabgabe mit jährlichen Mehrkosten von bis zu 70 Euro rechnen.

(Foto: dpa)

Damit erreichen die Kosten für Ökostrom in Deutschland einen neuen Rekordstand. An diesem Freitag werden Deutschlands Stromnetzbetreiber die exakte Höhe der Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien im kommenden Jahr veröffentlichen. Weil immer mehr Ökostrom produziert wird, stieg der Betrag seit Jahren jeweils um ein paar Prozent an.

Nach Angaben aus Branchenkreisen wird die Energiewirtschaft nun jedoch eine regelrechte Explosion verkünden. Die Abgabe soll von 2,05 Cent auf 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen - ein Plus von 70 Prozent. Die erneuerbaren Energien erhalten nun Subventionen von insgesamt 13 Milliarden Euro. In diesem Jahr waren es noch acht Milliarden.

Milliarden an Zusatzkosten

Für die deutschen Stromverbraucher bedeutet das Milliarden an Zusatzkosten. Gäben die Stromanbieter die Umlage direkt an die Kunden weiter, steige der Strompreis zum Jahreswechsel um 7,5 Prozent, warnte das Verbraucherportal Verivox. Ein privater Musterhaushalt müsste demnach inklusive Mehrwertsteuer pro Jahr 69 Euro mehr bezahlen. Deutschlands größter Stromproduzent RWE kündigte an, eine derart drastische Erhöhung werde zu Preiserhöhungen führen. Die Kunden können dem kaum entkommen. Die Umlage fällt bei allen Stromanbietern gleich hoch aus, egal, wie viel Strom sie aus erneuerbaren Energien beziehen.

Verantwortlich für den beispiellosen Anstieg ist die gesetzliche Ökostromförderung. Strom aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse zu gewinnen, ist teurer als die Produktion mit Kohle oder Atomkraft. Damit sich die Technologien trotzdem durchsetzen, werden sie seit zehn Jahren über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) staatlich gefördert. Die Differenz zwischen Marktpreis und Ökostrom-Kosten gleichen die Verbraucher über die so genannte EEG-Umlage aus. Zudem wächst in Deutschland ausgerechnet die besonders teure Photovoltaik dank starker Förderung sehr schnell. Bis Ende dieses Jahres werden voraussichtlich Solarzellen mit einer Leistung von 8000 Megawatt installiert sein, zehnmal so viel wie 2006.

Der Kostenanstieg entfacht eine neue Debatte über die Förderung erneuerbarer Energien. Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission, forderte eine Abschaffung des EEG. Geld, das hier verbrannt werde, fehle für wirksamere Maßnahmen zum Klimaschutz. Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, warf der Bundesregierung Versagen vor: "Die Förderung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen", sagte er. Dem Verband zufolge fließt von 2011 an die Hälfte aller Subventionen in die Solarenergie. Diese stehe jedoch nur für etwa ein Sechstel des Stroms aus erneuerbaren Energien.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) räumt ein, dass die Kosten 2011 deutlich steigen werden. BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann sagte, es sei unseriös, die Kosten der erneuerbaren isoliert zu betrachten. Dabei würden erhebliche Nutzen ignoriert. So würden Umweltschäden in Milliardenhöhe vermieden. Es sei zudem ein Irrglaube, dass keine zusätzlichen Kosten entstünden, wenn der Ausbau der Erneuerbaren gestoppt würde, sagte Klusmann. "Dann müssten Milliarden in konventionelle Kraftwerke investiert werden."