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SZ-Serie: Familienunternehmen:Wenn die Hausbank klamm ist

Kreditinstitute sind bei Darlehensvergaben vorsichtig geworden. Viele Mittelständler leiden - und sind nun auf der Suche nach neuen Geldquellen.

Ökonomen und Anleger blicken neuerdings wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Doch in vielen Unternehmen ist die Wirtschaftskrise noch bittere Realität. Das zeigt sich an den Auftragsbüchern, die sich nach dem Absturz nur zögerlich wieder füllen. Es wird sichtbar an den steigenden Insolvenzzahlen. Auch die Diskussion um eine Kreditklemme verdeutlicht, wie brüchig die Lage gerade im Mittelstand noch ist.

Eben hat die Bundesregierung zusätzliche Kreditprogramme beschlossen, um zu verhindern, dass Finanzierungsengpässe bei den Firmen den Abschwung verstärken und eine Erholung verhindern. Zugleich sehen sich Unternehmen nach Alternativen zum Bankkredit um.

Finanzierungsprobleme gibt es vor allem bei drei Gruppen von Firmen, beobachtet Jochen Rölfs, Managing Partner der gleichnamigen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft: Erstens Unternehmen, deren Geschäft schlecht laufe und die deshalb saniert werden müssten. Zweitens könnten sich Firmen schwer tun, wenn sie Wachstumsfinanzierung bräuchten und die Geldgeber neue Risiken scheuten. Und schließlich könnten Firmen ins Straucheln geraten, die zwar operativ gut liefen, aber zu stark mit Schulden finanziert wurden, etwa weil die Eigentümer mit zu hohen Gewinnen kalkulierten.

Unternehmer und Manager bestätigen, dass auch für gesunde Firmen die Bankfinanzierung schwieriger geworden ist. "Einzelne Banken vergeben für Investitionen nur noch etwa zwei Drittel bis zur Hälfte dessen an Krediten, was sie vor der Krise finanziert haben", sagt Albert Filbert, Vorstandschef der HEAG Südhessische Energie AG (HSE). "Das heißt, man braucht mehr Finanzierungspartner."

Ähnliche Erfahrungen hat Stefan Fink gemacht, Finanzvorstand beim Bauzulieferer Dyckerhoff: "Es ist heute nicht so einfach, von einer einzelnen Bank für länger als drei Jahre eine größere Finanzierung zu bekommen." Dabei sind die HSE und Dyckerhoff in einer vergleichsweise komfortablen Situation, da sie mit sehr geringen Schulden in die Krise hineingegangen sind. Im Durchschnitt sind deutsche Unternehmen zu 70 Prozent über Kredite finanziert, die Zurückhaltung der Banken trifft sie hart.

Firmen stellen sich auf die Krise ein

"In der Breite des Mittelstandes wird derzeit sehr vorsichtig operiert", sagt Martin Fischedick, Bereichsvorstand bei der Commerzbank. Unternehmen versuchten, den Kassenbestand möglichst hoch zu halten und das "working capital" zu reduzieren, also wenig Kapital in Lagerhaltung und Forderungen zu binden. "Unternehmen stoppen jetzt Investitionen, um die Liquidität zu schonen", sagt Andreas Schüren, Geschäftsführer der Rölfs-Partner Unternehmensberatung.

Wer um Investitionen nicht herumkomme, versuche, über eine starke Bank einen Konsortialkredit zu bekommen, der aber bis zu drei Prozentpunkte teurer sein könne als noch vor zwei Jahren. Nur wenige große Unternehmen suchten ihr Heil in langfristigen Anleihen. Mittelgroße Firmen versuchten, sich mit Factoring über Wasser zu halten, also Forderungen gegenüber Kunden abzutreten.