Fragen und Antworten:Was nun mit der US-Wirtschaft geschieht

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Andererseits ist dieser Schritt aus mehreren Gründen gewagt. Erstens sind die Finanzmärkte gerade so in Aufregung, dass sich vielen Beobachtern die Frage stellt, warum Standard & Poor's ausgerechnet jetzt noch einmal mit einem derartigen Entscheidung nachlegen musste. Zweitens sind die USA ihren Verpflichtungen in der Geschichte bisher immer nachgekommen und gelten US-Staatsanleihen als die sicherste Anlage der Welt. Und drittens gibt es Staaten mit AAA-Note, die ähnlich dastehen wie die USA - zum Beispiel Frankreich.

So gesehen setzen sich die Ratingagenturen mit dieser Herabstufung selbst unter Druck: Richtig gerechtfertigt ist dieser Schritt nur, wenn in den nächsten Tagen oder Wochen auch Frankreich seine Top-Bonität verlöre. Das wäre dann konsequent, würde aber die Lage natürlich weiter verschärfen.

Was bedeutet die Herabsetzung der Bonität für die USA?

Nur wenige Stunden nach der Herabstufung versuchte die Regierung Obama die Entscheidung der Ratingagentur zu relativieren. Der demokratische Abgeordnete und frühere Vorsitzende des Finanzausschusses, Barney Frank, bestritt im Fernsehen sogar, dass die S&P-Entscheidung irgendwelche Folgen haben werde. Das aber ist politische Rhetorik. Tatsächlich weiß im Augenblick niemand genau, welche Folgen die Herabstufung haben wird. Denn einen solchen Fall gab es bislang noch nie, und an den Weltfinanzmärkten spielt die Psychologie bekanntermaßen eine große Rolle.

Prinzipiell herrscht bei den Experten Einigkeit darüber, dass die Zinsen wegen der Herabstufung steigen. Zwar betonten einige Finanzmarktteilnehmer noch am Freitagabend, dass der mögliche Zinssprung - wenn er überhaupt komme - nur marginal ausfallen werde. Doch auch ein kleiner Zinsanstieg würde die USA derzeit schon hart treffen. Der Schuldendienst kostet Washington derzeit circa 250 Milliarden Dollar pro Jahr, da machen auch kleine prozentuale Erhöhungen schon einen beträchtlichen Unterschied.

Die ohnehin schwache US-Konjunktur würde möglicherweise einen neuen Dämpfer bekommen, weil höhere Zinsen die Investitionsneigung der Unternehmen senkt. Das wiederum würde den ebenfalls flauen Arbeitsmarkt belasten mit negativen Folgen für die Konsumbereitschaft der Verbraucher - es käme eine Abwärtsspirale in Gang.

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