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Schuldenkrise in Europa:Jetzt also Zypern

Muss auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm? Ganz Europa blickt auf den Inselstaat im Mittelmeer: Das Rating wird immer schlechter und die Banken sind hart von der Griechenland-Krise betroffen - aber Zypern hat noch ganz andere Probleme.

Markus Zydra

Es gab Zeiten, da wären finanzielle Sorgen der Zyprer womöglich vom deutschen Entwicklungsminister mit einem Scheck beseitigt worden - still, aber wirksam. Jetzt jedoch blickt ganz Europa auf den Inselstaat im Mittelmeer, weil die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote für Zypern weiter verschlechtert hat.

Hafen von Limassol auf Zypern

Der Hafen von Limassol.

(Foto: ddp)

Das Land muss mittlerweile zehn Prozent Zinsen bezahlen für einen zehnjährigen Kredit. Portugal und Irland riefen schon bei sieben Prozent um Hilfe. Womöglich muss der Inselstaat als viertes Land nach Griechenland, Irland und Portugal EU-Hilfe beantragen.

Was soll's, könnte man mit Blick auf die Größenordnungen einwenden. Auf Zypern erwirtschaften 800.000 Einwohner ein Bruttoinlandsprodukt von 17 Milliarden Euro - Siemens macht so viel Umsatz in einem Quartal.

Man kann es aber auch anders bewerten: Gerade die Tatsache, dass Brüssel und die Finanzmärkte mit Sorge auf das kleine Zypern schauen, zeigt eindrücklich, wie akut die Euro-Krise trotz aller Sondergipfel und Rettungsbeschlüsse noch ist.

Wenn Zypern als viertes Euro-Land mit EU-Steuergeldern gerettet würde, müssten die Regierungen ihren Bürgern erklären, warum das zweite Rettungspaket für Griechenland doch nicht der Schlusspunkt war.

Doch so weit ist es noch nicht, wie EU-Vertreter sagen. Allerdings garnieren sie das mit dem Hinweis, sie beobachteten die Situation im Mittelmeer genau. Zypern behauptet, man habe seine Finanzen noch unter Kontrolle und benötige zurzeit keine Hilfe der EU.

Zyperns Banken unter Druck

Eigentlich hatte Zypern die globale Finanzkrise ja gut überstanden. Größere Probleme ergaben sich durch das jüngste Rettungspaket für Griechenland. Die EU hat sich darin auf eine Verlustbeteiligung privater Gläubiger verständigt - besonders betroffen sind nun zwei zyprische Banken, Marfin Popular und Bank of Cyprus, die zusammen 5,8 Milliarden Euro an griechischen Staats-Bonds halten und damit global die dritt- und siebtgrößten Besitzer griechischer Staatsanleihen überhaupt sind.

Die Ratingagentur Moody's warnt, diese Geldhäuser müssten sich womöglich neues Kapital besorgen. Der zyprische Bankenmarkt hat insgesamt eine Bilanzsumme, die dem Siebenfachen des Bruttoinlandsprodukts entspricht - der Staat Zypern könnte die eigenen Institute also niemals auffangen.

Auch die Defizite sind gewachsen. Mit sechs Prozent im Jahr 2009 und 5,3 Prozent 2010 lag das Land vom europäischen Grenzwert von drei Prozent weit entfernt. Der IWF fordert den Schuldenabbau, das Land müsse seine Position als internationales Geschäfts- und Finanzzentrum ausbauen. Dazu seien solide Finanzen nötig.

Die Republik Zypern ist seit 2004 EU-Mitglied und hat 2008 den Euro eingeführt. Nur der griechischsprachige Südteil der Insel ist Mitglied der EU. Zypern ist seit 1974 in einen griechischen und türkischen Teil aufgespalten.

Die aktuelle Unruhe an den Finanzmärkten hat auch innenpolitische Hintergründe. Seit Donnerstagabend steht das Land ohne Regierung da. Präsident Dimitris Christofias hatte seine Minister zum Rücktritt aufgefordert. Der Umbau soll helfen, eine Energiekrise unter Kontrolle zu bringen.

Christofias entschied sich für eine Regierungsumbildung, nachdem die Außen- und Verteidigungsminister nach einer schweren Explosion auf einem Marinestützpunkt Mitte Juli zurückgetreten waren. Fast 100 Container mit beschlagnahmter Munition aus Iran explodierten wegen mangelhafter Lagerung. 13 Menschen starben. Es wurde auch ein Elektrizitätswerk zerstört. Das Kraftwerk hatte über die Hälfte des Stroms der Insel produziert. Mitunter ist nun die ganze Insel ohne Stromversorgung.

© SZ vom 30.07.2011/lom

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