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Reden wir über Geld: Felix Magath:"Ich bin immer nervös"

SZ: Schalke drücken jetzt 250 Millionen Euro Schulden. Sind Sie vor diesem Saisonstart nervöser als sonst?

Magath: Ich bin immer nervös. Aber ich bin nicht bereit, finanziell alles auf eine Karte zu setzen, um auf jeden Fall in die Champions League zu kommen.

SZ: War Ihnen vor Ihrem Kommen klar, wie schwierig die Finanzlage ist?

Magath: Nein. Der Verlust in der Saison 2008/2009 war am Ende deutlich höher als die 13 bis 15 Millionen Euro, die man mir gesagt hatte.

SZ: Wurden Sie getäuscht?

Magath: Dass der Verlust höher ausfallen würde, hätte man vorher wissen können.

SZ: Sie haben als Vorstandssprecher in Schalke viel mehr Macht und Verantwortung als andere Trainer. Was tun Sie, um die Schulden zu reduzieren?

Magath: Wir haben dem Großverdiener Kuranyi kein neues Vertragsangebot gemacht. Außerdem haben wir unter anderem Asamoah und Bordon verabschiedet sowie Rafinha und Westermann verkauft, die alle gut verdienten. Als ich kam, verdiente jeder Spieler im Schnitt knapp 91000 Euro im Monat, ohne Prämien. Ich habe die Grundgehälter der Neuverpflichtungen um 20 Prozent gesenkt. So verdient der aktuelle Kader im Schnitt nur noch gut 73000 Euro.

SZ: Waren Profis wegen der Finanzklemme bereit, auf Gehalt zu verzichten?

Magath: Nur einer.

SZ: Sie haben zwar den spanischen Weltstar Raul verpflichtet, aber: Ist das Team nach Ihren finanziellen Kunststücken stark genug für die Champions League?

Magath: Das ist ja die Kunst. Ich weiß es nicht.

SZ: Sie gewannen als Mittelfeldregisseur mit dem HSV die Champions League und wurden Vizeweltmeister. Trotzdem sagte Ihr Trainer Ernst Happel mal, Sie seien zu harmoniesüchtig fürs Fußballgeschäft: Der wird nie was.

Magath: Er hat gesagt, ich sei ein Klosterschüler.

SZ: War da was dran?

Magath: Ja, klar. Ich bin naiv.

SZ: Haben Sie sich für die Trainerkarriere bewusst verändert, eine harte Schale zugelegt? Sie galten als Trainer ja lange als "Quälix", als Diktator. Der abgewanderte Spieler Rafinha motzt, nach Ihrem Training könne er General werden.

Magath: Er hätte was Schlimmeres sagen können (lacht). Ich unterscheide zwischen mir als Mensch und mir als Trainer. So habe ich das bei meinem Hamburger Trainer Zebec gelernt: Professionell Arbeiten bedeutet Emotionen weglassen. Kein Ausweinen, keine Chance, sich zu beschweren. Das mag man als militärisch empfinden. Wer mit einer Truppe Erfolg haben will, muss die Richtung vorgeben. Sonst käme bald jeder wie Rafinha zu spät zum Trainingsauftakt.

SZ: Das klingt hart.

Magath: Zebec hat damals von Gladbach einen Stürmer geholt. Der machte jedes Vorbereitungsspiel mit. Dann sagte Zebec: Du spielst heute Linksaußen. Der Spieler sagte: Ich kann nicht Linksaußen. Danach hat er nie mehr gespielt.