bedeckt München 10°

Preise von Mietangeboten:Die Mieten sinken? Wirklich?

Wer in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt eine Wohnung mieten muss, kann nur noch ächzen: Die Mieten sind horrend. Nun überrascht das Immobilienportal Immoscout mit der Nachricht, dass in den Metropolen erstmals seit langer Zeit die Mieten sinken. Was sagen die Mieter-Schützer dazu?

Es wäre eine erfreuliche Botschaft für die geplagten Mieter in deutschen Großstädten: Zum ersten Mal seit über einem Jahr seien die Angebotsmieten im Juli gesunken, heißt es bei dem Immobilienportal Immoscout, dass auf Basis der Angebote auf den eigenen Seiten monatlich diverse Indizes zum Wohnungsmarkt (PDF) erstellt.

In dem aktuellen Bericht heißt es, dass die Mietpreise in Hamburg im Vergleich zum Juni um 0,9 Prozent, in Frankfurt um 0,2 Prozent und in Deutschlands teuerster Großstadt München um 0,5 Prozent zurückgegangen seien.

Zu den aktuellen Zahlen sagt Michael Kiefer, Leiter der Immobilienbewertung des Portals: "Dies zeigt, dass die sehr hohen Mieten in den Metropolen am Markt nicht mehr durchsetzbar sind". Lediglich in Berlin seien die Mieten um 0,5 Prozent weiter gestiegen. Als Grund führt Kiefer an, dass in der Hauptstadt die Preise bereits vergleichsweise niedrig seien.

"Ein Trend ist das bestimmt nicht"

Anders sieht das Stefan Schmalfeldt vom Mieterverein in Hamburg: "Unsere Zahlen über Neuabschlüsse bei Mieten bestätigt die Ergebnisse von Immoscout nicht. Die Mieten in Hamburg oder München sind bereits sehr hoch. Es kann daher zwar sein, dass die Preise kurzfristig etwas sinken, ein Trend ist das aber bestimmt nicht".

Mietbarer Wohnraum ist in einigen Städten Deutschlands knapp, einkommensschwache Haushalte leben dadurch immer öfter in Armut, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung gezeigt hat. Und der Neubau kann offenbar mit der Nachfrage nicht schritthalten, selbst wenn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in der ersten Jahreshälfte 2013 immerhin fast 125.000 neue Wohnungen genehmigt wurden - 9,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wie wichtig den Deutschen mittlerweile das Thema Wohnraum ist, zeigt eine Umfrage des Senders Phoenix: 38 Prozent halten steigende Mieten und die Wohnungsnot für eines der bedeutensten Themen der Bundestagswahl.

Im Gegensatz zu den Mieten sollen die Preise der Kaufangebote im Juli weiter gestiegen sein, heißt es bei Immoscout. Wohnungen wurden demnach im Schnitt 0,7 Prozent teurer angeboten, in München sei der Preis sogar um 1,5 Prozent gestiegen. Ähnlich sah es bei Angeboten für bestehende Häuser aus: Deutschlandweit seien sie um 0,5 Prozent teurer gewesen, in München kosteten sie Immoscout zufolge 3,5 Prozent mehr. Bei Neubauten betrug der Zuwachs 1,9 Prozent.

Die Nachfrage nach Immobilien dürfte auch noch weiter steigen, so Kiefer. "Viele Käufer kommen aus dem Ausland oder aus dem gesamten Bundesgebiet".

© Süddeutsche.de/sana/hgn
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema