Neues Krankenversicherungsmodell Wer gesund lebt, kostet den Versicherern weniger

Das Kalkül dabei: Wer gesund lebt, kostet den Krankenversicherern weniger Geld. Im Gegenzug erhalten willige Verbraucher Vergünstigungen. Umgekehrt gilt aber auch: Wer risikoreicher lebt, zahlt mehr. Das ist auch langfristig das größte Risiko des neuen Systems: Wer nicht bereit ist, seine Daten preiszugeben, dürfte künftig einen deutlich höheren Preis für seine Versicherung zahlen.

Einer der Vorreiter ist der amerikanische Krankenversicherer United Healthcare. Er bietet Kunden schon seit drei Jahren einen Preisnachlass an, wenn sie täglich eine bestimmte Anzahl an Schritten tun und das auch nachweisen können. Einen ähnlichen Weg geht jetzt Generali.

Individualisierte Tarife bergen eine große Gefahr

Verbraucherschützer sind skeptisch. "Wenn Versicherte individuelle Informationen preisgeben müssen, um rabattierte Angebote zu erhalten, sehe ich das sehr kritisch", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Der Kunde weiß ja gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden, und wer Zugriff darauf hat."

Könne jeder Sachbearbeiter Informationen zu Gesundheitszustand oder Fahrweise abrufen, sei das aus Datenschutzgründen äußerst problematisch. Allerdings: Über den Gesundheitszustand weiß ein privater Krankenversicherer heute auch schon alles, weil er die Arztrechnungen und Rezepte für jeden einzelnen Kunden kennt.

Individualisierte Tarife bergen indes eine große Gefahr: Sie führen das Prinzip der Versicherung ad absurdum. Versicherer gleichen eigentlich verschiedene Risiken aus, zwischen vielen Kunden und auch über die Zeit. Das ist der Kern ihres Geschäfts. Mit den individualisierten Tarifen versuchen die Unternehmen nun, die "besten" Risiken für sich zu gewinnen - in der Hoffnung, dass sich die Konkurrenten mit vielen "schlechteren" Risiken herumschlagen müssen.

Denn dann machen sie trotz Preisnachlässen noch einen höheren Gewinn. Felix Hufeld, oberster Versicherungsaufseher bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, sieht die neuen Möglichkeiten zur Datenauswertung kritisch: "Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen", sagte Hufeld bei einer SZ-Fachkonferenz in Köln. Das bliebe nicht ohne Folgen für den Versicherungsgedanken an sich.

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Unser Autor weiß wenig über Statistik. Aber die Statistik weiß viel über ihn. Er wollte herausbekommen, was sich mit diesem Wissen anstellen lässt. Ein Selbstfindungstrip in die Welt der Datenverarbeitung.