bedeckt München 28°

Historische Crashs:Schwarze Tage: Wenn es an der Börse kracht

Die Anleger fürchten angesichts des Kursverlaufs an den Börsen um ihr Geld - doch zu einem Crash kommt es nicht. Ein historischer Überblick über die Tage, an denen es an den Märkten richtig krachte, von der Tulpenmanie bis zum Flash Crash.

1 / 6

-

Quelle: SZ

In der Geschichte gab es bereits mehrere Börsencrashs. Von der Tulpenmanie bis zum Flash Crash - ein Überblick in Bildern.

1637: Die große Tulpenmanie

Gold? Seltene Erden? Nein, Tulpen! Die Zwiebeln der Blumen und ihr Handel in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts sind bis heute das Lehrbuchbeispiel für eine Börsenhysterie - und den anschließenden Absturz. Tulpen gab es in Westeuropa erst im 16. Jahrhundert - zeitgleich stiegen die Niederlande zur Weltmacht auf. Die neuen Reichen der Handelsnation waren verrückt nach den exotischen Gewächsen. Daran wollten viele mitverdienen, es entwickelte sich ein schwunghafter Handel mit Tulpenzwiebeln. Alle spekulierten, die Preise würden immer weiter steigen. Das taten sie natürlich nicht.

Nachdem zwischenzeitlich angeblich mehrere Monatsgehälter eines Arbeiters für eine einzelne Zwiebel gezahlt worden waren, kam es im Februar 1637 zum Crash: Niemand wollte die aufgeblasenen Preise für die Pflanzen zahlen, der Markt kollabierte - und Hunderte saßen auf ihren wertlosen Tulpenzwiebeln. Wie verheerend das Platzen der Blase aber tatsächlich für das ganze Land war, ist bis heute unter Forschern umstritten.

2 / 6

Historische Crashs:1929: Der Schwarze Freitag

Menschenmenge vor der New Yorker Börse am 24.10.1929

Quelle: AP

Schwarzer Freitag nennen viele den legendären Börsencrash aus dem Jahr 1929. Aber eigentlich war es gar kein Freitag, sondern ein Donnerstag. Deshalb sprechen Amerikaner auch vom "Black Thursday". Ursache für die unterschiedlichen Bezeichnungen ist die Zeitverschiebung. Am Donnerstag, 24. Oktober, brach Panik an der Wall Street aus (im Bild), die erst am Freitag in Europa um sich griff.

Grund für den Einbruch war eine Spekulationsblase: In den "goldenen zwanziger Jahren" stieg der Dow ununterbrochen, viele Anleger träumten vom großen Geld und nahmen sogar Kredite auf, um Aktien zu kaufen. Das ging solange gut, bis die Kurse stagnierten. Langsam wurde vielen bewusst, welches Risiko sie eingegangen waren. Am Schwarzen Donnerstag reagierten die Anleger panisch, der Handel brach gleich mehrmals zusammen. Endgültig stürzten die Kurse jedoch erst danach ab: Am darauffolgenden Dienstag verlor der Dow Jones knapp 13 Prozent - der zweithöchste Verlust in der Geschichte. Die Börsenpanik war der Auftakt der Weltwirtschaftskrise. In allen Industrienationen brach die Wirtschaft ein: Massive Arbeitslosigkeit und Deflation waren die Folgen.

3 / 6

Historische Crashs:1987: Der Schwarze Montag

Crash of '87

Quelle: Getty Images

Am 19. Oktober 1987 gab es den ersten großen Crash nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Dow Jones stürzte am Schwarzen Montag um unglaubliche 22,6 Prozent ab - der höchste absolute Tagesverlust in der Geschichte des Index.

In den Tagen darauf waren die weltweiten Börsen im freien Fall, die Computer des bereits automatisierten Börsenhandels waren dem hohen Ordervolumen nicht mehr gewachsen. Der Handel musste an vielen Handelsplätzen ausgesetzt werden.

Bis heute sind die Ursachen umstritten: Es gab kein bestimmtes Ereignis, das den Börsenkrach ausgelöst hatte. Ausschlaggebend waren wohl die Probleme der USA: Wegen Inflation und hohem Handelsdefizit sank das Vertrauen in den Dollar. Allerdings erholten sich die Kurse in der Folge wieder, nach 15 Monaten stand der Dow wieder so hoch wie vor dem Crash.

4 / 6

Historische Crashs:2001: Der 11. September

Terroranschlag auf des World Trade Center, 2001

Quelle: Associated Press

Die Terroranschläge des 11. September schockten auch die Finanzmärkte: In Europa setzte eine panische Verkaufswelle ein, der Dax fiel um 8,5 Prozent - im Handelsverlauf sogar mehr als elf Prozent. Dagegen reagierten die US-Börsen sofort auf die Katastrophe: Noch am selben Tag setzten die amerikanischen Börsen ihren Handel aus und nahmen ihn erst sechs Tage später wieder auf. Das war die längste Pause seit der Weltwirtschaftskrise 1933. Bei der Wiedereröffnung der Wall Street krachten die Kurse erwartungsgemäß ein - der Dow verlor etwa sieben Prozent. (Im Bild: Der Anschlag auf das World Trade Center.)

5 / 6

Historische Crashs:2008: Die Lehman-Pleite

Dow Jones beendet schwächste Woche seit fast fünf Jahren

Quelle: dpa

Im Herbst 2008 wuchs sich die Hypothekenkrise zur weltweiten Finanzkrise aus: Ausgelöst wurde die Panik, weil innerhalb weniger Tage die US-Regierung die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac retten musste und dann noch die Investmentbank Lehman Bankrott ging. Beide hatten Milliarden in wertlose Hypotheken investiert oder diese über Versicherungen garantiert. Es folgte eine historische Talfahrt der Kurse: Der Dow Jones sackte am 15. September um 4,4 Prozent ab, am 18. September um 4,1 Prozent. Am 29. September waren es sogar 778 Punkte (sieben Prozent). Nachdem US-Präsident George W. Bush mit seinem gigantischen Hilfspaket für die Banken im Kongress gescheitert war, stürzten die Kurse ins Bodenlose. Die Krise breitete sich weltweit aus. Im Sommer 2011 geht die Furcht um, das Chaos von 2008 könnte sich wiederholen.

6 / 6

Historische Crashs:2010: Flash Crash

-

Quelle: AFP

An der Börse kann es blitzartig bergab gehen - aber auch genauso schnell wieder bergauf: Am 6. Mai 2010 um 14.42 Uhr geschah an der Wall Street das Unerklärliche: Plötzlich sackten Aktien ab, der Dow-Jones-Index stürzte innerhalb von Minuten um 600 Punkte ins Bodenlose. "Für einen Moment schien es, als würde der Ausverkauf Computer und auch menschliche Systeme überwältigen", schrieb die New York Times. Nur eine halbe Stunde später aber hatten die meisten Unternehmen die Verluste wieder wettgemacht: Ihre Kurse waren wieder auf dem Niveau vor dem Einbruch.

Was genau hinter dem Blitzcrash steckt, ist bis heute nicht ganz aufgeklärt. Manche vermuten, dass sich ein Händler einfach vertippt hat und so die Lawine auslöste. Sicher scheint, dass Computerprogramme eine Rolle spielen. Die virtuellen Trader verkaufen automatisch, sobald Aktien unter einen bestimmten Kurs fallen und konnten so innerhalb weniger Minuten den ganzen Markt auf den Kopf stellen. Beim "Flash Crash" verlor der Dow zeitweise neun Prozent - 1000 Punkte. Das ist bis heute Rekord.

© sueddeutsche.de/jab/lom

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite