Schuldenkrisen in Europa und den USA Der Unfug der Untergangs-Propheten

Dabei sind die Schuldenprobleme Europas und der USA unterschiedlicher Natur. Die Krise in der Euro-Peripherie, die jetzt möglicherweise auch Italien erfasst, ist akut und muss umgehend gelöst werden. Immer noch besteht die Gefahr, dass von Griechenland eine globale Panik ausgeht. Gelingt es jedoch, die akute Krise einzudämmen, steht Europa gar nicht so schlecht da.

Die USA dagegen hätten eigentlich noch Zeit. Der gegenwärtige Wettlauf im Kongress um immer radikalere Haushaltskürzungen ist eher schädlich, weil so Wachstum gefährdet wird. Wenn nichts geschieht, wird die Zukunft schlimm. Dann droht den USA in 15 bis 20 Jahren ein Staatsbankrott. Ökonomen können sich schnell darauf einigen, wie man den abwenden kann: Kürzungen beim Militär, bei der Krankenversicherung der Rentner und der Rente selbst; Steuererhöhungen, um die Kürzungen erträglich zu machen. Eine unpopuläre Mischung, von der die meisten Politiker bisher die Finger lassen.

Um was es geht, zeigt eine Modellrechnung des Peterson-Instituts in Washington: Unter realistischen Annahmen werden 2035 die EU-Staaten 5,7 Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung für Zinsen ausgeben müssen, in den USA werden es 13,2 Prozent sein, in Japan 19,1 Prozent. Eine Demokratie hält nach allgemeiner Lehre maximal zehn Prozent aus.

Es gibt heute viele Propheten, die den Bankrott der USA, Deutschlands und anderer Länder als unvermeidlich voraussagen. Solche Prognosen sind Unfug. Die Schuldenprobleme sind lösbar, wenn die Politik dazu bereit ist. Dieses "Wenn" allerdings ist entscheidend.

Die USA haben immer noch eine hoch produktive, innovative Volkswirtschaft, mittels derer das Land aus einem Teil der Probleme herauswachsen kann. Europas Probleme sind langfristig begrenzt, wenn sie denn kurzfristig angepackt werden. Deutschland darf zum Beispiel nicht vergessen, dass es seinen Erfolgsweg nur fortsetzen kann, wenn es weiter den Euro gibt. Dafür lohnt es sich, auch etwas zu zahlen.

Und schließlich die Ratingagenturen. Sie sind die bösen Buben Europas. Man mag über den Zeitpunkt streiten, zu dem S&P, Moody's & Co ihre Noten verteilen, man mag sich wundern, warum sich die Politik nicht aus der selbstgewählten Abhängigkeit von den Agenturen befreit. Tatsache ist aber auch, dass es, trotz aller schlimmer Mängel, derzeit kaum bessere Instrumente gibt, um Zahlungsfähigkeit und Zahlungswillen verschuldeter Nationen zu messen. Wer davor die Augen schließt, der schadet sich letztlich selbst.

Historische Staatspleiten

Wenn dem Staat das Geld ausgeht