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Geldanlage:Jetzt noch "dumme Fonds" kaufen?

Turbulenzen am Aktienmarkt

Vor allem wegen des befürchteten Abschwungs kann ein Fonds in den kommenden Jahren sehr schnell an Wert verlieren.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Indexfonds folgen jeder Zuckung der Börsen. Solange es stetig bergauf ging, war das eine tolle Sache. Aber wie sollten sich Anleger verhalten, wenn ein Abschwung droht?

Die Hiobsbotschaften kommen dieser Tage Schlag auf Schlag. Das chinesische Wachstum kühlt sich ab, der Internationale Währungsfonds kassiert seine Wachstumsprognosen. "Nun sind die fetten Jahre vorbei", sagte selbst Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Viele Anleger fürchten angesichts der Brexit-Briten und des Handels-Hickhacks, dass die Börsenkurse noch einmal abrauschen. Indexfonds (ETF) stecken dann in der Bredouille, weil sie einen Aktienindex wie den Dax eins zu eins nachzeichnen. Sinkt der Dax, geht der Indexfonds genauso in die Knie. Manche Experten unken, die "dummen Fonds" würden sich nun "entzaubern". Was Anleger daher wissen müssen.

Soll ich meine Indexfonds jetzt verkaufen, bevor es in diesem Börsenjahr rumpelig wird?

Darauf gibt es nur eine Antwort: drin bleiben. Auf den ersten Blick mag das merkwürdig klingen, viele Privatanleger dürften kaum Lust und Nerven haben, sich einer Achterbahnfahrt an den Märkten auszusetzen. Doch wenn Anleger verkaufen, sobald es schon ein gutes Stück nach unten gegangen ist, begehen sie einen Kardinalfehler: Sie handeln sich Verluste ein. Wer noch ein paar Jahre auf sein Geld warten kann, sollte eine mögliche Schwächephase aussitzen. Denn mit Aktien ist es wie beim Marathon: Durchhaltevermögen zahlt sich aus. "Nur wer weiß, dass er in einem oder zwei Jahren das Geld dringend braucht, sollte jetzt verkaufen", sagt Finanzplanerin Stefanie Kühn. Denn angesichts der politischen Risiken könnten die Kurse dieses Jahr durchaus noch nach unten sacken.

Sollten sich Neulinge im Falle fallender Märkte von Indexfonds fernhalten?

Sicher, sollten die Kurse fallen, sinken auch die Notierungen der Indexfonds. Mitgefangen, mitgehangen. Viele Anleger mag das abschrecken: Wer will schon in ein Papier investieren, das direkt am Anfang Verluste bringen könnte? Auch hier sitzen Anleger einem gedanklichen Kurzschluss auf: Wer neu in Indexfonds anlegen will, sollte einen langfristigen Horizont haben und mindestens 15 Jahre dabeibleiben. Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen: Wer in der Vergangenheit in den Dax investierte, brauchte nie länger als 12 Jahre, um nominal im Plus zu sein. Im Rückblick zeigt sich: Wer genug Zeit mitbringt, kann mit einem gut gefüllten Aktienkorb kaum etwas falsch machen. Selbst wenn die Kurse anfangs bröckeln.

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Soll ich mein Geld nun auf einmal in ETF schieben oder scheibchenweise?

Anleger sollten derzeit nach Salamitaktik investieren, ihr Geld also nach und nach in Aktien schieben. "Auf einmal zu investieren, würde ich aktuell nicht empfehlen", sagt Anlageberaterin Kühn. Denn diese All-In-Strategie ist derzeit so gefährlich wie beim Poker: Sollten die Börsen dieses Jahr noch abrauschen, hätten Anleger vorher für ihr ganzes Geld zu überhöhten Kursen gekauft und sofort Verluste gemacht. Bei der Salamitaktik hätten sie dagegen nur einen Teil ihres Geldes zu hohen Preisen investiert. Außerdem können Anleger mit der "Methode scheibchenweise" ihre Angst überwinden: Die Hürde, jeden Monat eine kleine Summe in Aktien zu schieben, ist geringer als bei einem großen Batzen auf einmal.

Können clevere Fondsmanager nicht besser mit schwierigen Börsenphasen umgehen als stupide Indexfonds?

Das ist das Werbeargument der Fondsmanager, die sich gern als Finanzmagier inszenieren. Wer jedoch genau hinschaut, merkt: Die meisten aktiven Fonds haben eine miese Bilanz. Während es über ein Jahr noch 64 Prozent der Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland schaffen, entsprechende Indexfonds zu schlagen, gelingt dies über einen Zeitraum von 15 Jahren nur jedem vierten noch existierenden aktiven Fonds. Meist wären Anleger mit den günstigen ETF besser gefahren. Der Grund: Viele aktive Fondsmanager stehen sich selbst im Weg. Mit ihrem Wissen setzen sie durchaus auf gute Titel. Allerdings verlangen sie hohe Gebühren, die diese Überrendite sofort wieder auffressen. "Die aktiven Fonds sitzen in der Gebührenfalle", sagt Ali Masarwah von Morningstar.

Machen ETFs auf Unternehmensanleihen Sinn? Das klingt nach Rendite und Sicherheit zugleich.

Privatanleger täuschen sich bei Anleihe-ETFs leicht. Wer glaubt, dass Anleihefonds profitieren, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen sollten, liegt daneben. Denn wenn das Zinsniveau steigt, sinken die Kurse der bereits ausgegebenen Unternehmensanleihen. Denn viele Profiinvestoren schieben ihr Geld dann schnell in neue Anleihen, die mehr Zinsen bringen - gerade sie sind in den Anleihekörben dann aber noch unterrepräsentiert. Die Kurse der Anleihe-ETF knicken daher ein. Außerdem enthalten viele der Indizes auf Unternehmensanleihen aktuell eine Menge Titel, die nur knapp über Ramschniveau stehen.

Können neue, "clevere" Indexfonds die Aufregung an den Märkten dämpfen?

In der Tat gibt es Indexfonds, denen die Macher Beruhigungsmittel verabreichen. Diese Indexfonds setzen auf Aktien, die wenig schwanken und geben sich den englischen Beinamen "Low Vola". Auf deutsch: wenig Schwankung. Schaut man sich solche Indexfonds genauer an, sieht man: Deren Schwankungsbreite ist oft tatsächlich niedriger als bei klassischen Indizes. Wer aber glaubt, die "cleveren" Indizes seien risikolos, liegt falsch (siehe Tabelle). Viele der Schlafmittelfonds haben das turbulente Börsenjahr 2018 mit Verlust abgeschlossen. "Für viele Privatanleger sind diese speziellen Fonds oft kaum zu durchschauen", sagt Fondsexperte Masarwah. Und Anlageberaterin Kühn sekundiert: "Die Fonds vermitteln mit vermeintlich cleveren Konzepten das irrige Gefühl von Sicherheit." Gleiches gilt für Indexfonds, die versprechen auf "Qualitätsaktien" zu setzen, die solide wirtschaften, oder solche mit einer hohen Dividende. Anleger sollten lieber zu leicht verständlichen Klassikern greifen. Mit dem MSCI World können sie auf mehr als 1600 Aktien aus Industrieländern setzen. Wer risikobereiter ist, kann mit dem MSCI All Countries World Index Schwellenländer beimischen. Mancher Anleger sagt, er könne so die ganze Welt kaufen - wer will das nicht?

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