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Folge der Krise: Baustopp:Nur leere Versprechen

Im September fand eine Informationsveranstaltung für die verunsicherten Anleger statt. Außer ein paar leeren Versprechen, gebe es nichts Neues, sagt ein betroffener Anleger. Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen sieht sich bestätigt: "Der Verdacht, dass den ,Traumrenditen‘ von ACI nichts anderes als ein Schneeballsystem zu Grunde liegt, erhärtet sich." Das gesamte Geschäftsgebaren des Fondsanbieters sei undurchsichtig.

Primat der Ökonomie verdrängte alles

Doch auch jene, die nicht den scheinbar wertlosen Verlockungen erlegen sind, müssen sich wohl von ihrem Geld verabschieden. Die Renditen aus der Zeit der Superlative werde man in den kommenden Jahren nicht mehr erreichen, glaubt Fondsmanagerin Bruns. "Nach der Erholung wird alles langsamer gehen. Geringere Renditen, aber dafür nachhaltigeres Wachstum."

Zu lange verdrängte das Primat der Ökonomie alles andere. Nun, in Zeiten der Krise, hat aber selbst die absolutistische Regierung erkannt, dass es noch mehr braucht als Geld, Geld, Geld. Dubai muss nicht nur wirtschaftlich ein Ort werden, wo viele Menschen das tun können, was woanders nicht möglich ist. Denn welcher Elite genügt es, in Konsumtempeln einkaufen zu gehen und am Strand zu liegen?

Philipp Maier ist Leiter der Philharmonie der Vereinigten Arabischen Emirate. Vor viereinhalb Jahren kam der Augsburger nach Dubai. Er sagt: "Das Verständnis, dass Kultur Förderung braucht, auch wenn am Ende keine Rendite dabei herausspringt, ist den Herrschern und Entscheidern schwer begreifbar zu machen."

Abu Dhabi ist schon weiter

Das Nachbar-Emirat Abu Dhabi, eine gute Autostunde von Dubai entfernt, sei da schon weiter. Dort gibt es eine Konzerthalle, und der Star-Architekt Frank Gehry baut eine Filiale des New Yorker Guggenheim-Museums. Auch bei Bildungseinrichtungen und im Gesundheitswesen hat Abu Dhabi die Scheichs von Dubai längst abgehängt - und in Sachen Umweltschutz sowieso.

So gut Abu Dhabi im Vergleich auch dasteht, ein Problem bleibt: Die Einheimischen nutzen die kulturellen Angebote dort nur selten. Als die Wiener Philharmoniker in Abu Dhabi eine Art Neujahrskonzert spielten, war die Konzerthalle halb leer. Und die Scheichfamilie in der ersten Reihe spielte lieber mit ihren Handys.

"Vielleicht", sagt Philipp Maier, "ist es für die Emirate ganz gut, dass Dubais Geld-Blase jetzt geplatzt ist." Es lebe sich viel entspannter, seit alles ein wenig langsamer laufe. Auch deshalb will der Musiker nicht nach Abu Dhabi ziehen. Der Hauptgrund aber ist ein anderer: "In Dubai", sagt er, "sind die Mieten jetzt viel niedriger."

© SZ vom 14.10.2009/tjon/mel
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