Eigenkapital für Banken Die Folgen für die Deutsche Bank und die Commerzbank

Die Volksbanken fühlen sich von den neuen Regeln kaum tangiert, weil das Genossenschaftskapital weiterhin als hartes Kernkapital anerkannt wird. Sie wollen deshalb wie bisher Kredite an Privatleute und Unternehmen geben.

8. Was sind die Folgen für Deutsche Bank und Commerzbank?

Die beiden börsennotierten Großbanken müssen am schnellsten handeln, weil der Kapitalmarkt künftige Anforderungen in der Regel schon in der Gegenwart einrechnet. Die Deutsche Bank kündigte deshalb am Sonntag eine Kapitalerhöhung von fast zehn Milliarden Euro an. Acht Milliarden Euro davon dienen der Finanzierung der Postbank-Übernahme, mit etwa zwei Milliarden soll das harte Kernkapital gestärkt werden. "Wir werden die Basel-III-Kriterien bereits Ende 2013 erfüllen", sagte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Montag. "Wir haben sehr gut vorgearbeitet." Deshalb brauche sein Institut über die angekündigten Kapitalerhöhung hinaus kein weiteres Geld vom Aktienmarkt, um die künftigen Auflagen zu erfüllen. Ackermann nannte Basel III "alles in allem ein gutes, rundes Paket, das wir sehr unterstützen".

Wesentlich schwieriger ist die Lage für die Commerzbank. "Sie steht von zwei Seiten unter Druck", erklärt Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. "Einerseits soll sie dem Staat die Kapitalhilfe von 16,4 Milliarden Euro zurückzahlen, andererseits soll sie ihr Eigenkapital stärken." Das Institut hat eine Übergangsfrist bis 2018 erhalten; so lange zählt die Staatshilfe zum harten Kernkapital. Der Kapitalmarkt dürfte aber schon vorher Handlungen von dem Institut erwarten. Da die Gewinne nicht hoch genug sind, müsste auch die Commerzbank eigentlich ihr Kapital erhöhen. Die britische Großbank Barclays schätzt, dass sie zehn Milliarden Euro frisches Kapital braucht, um Basel III zu erfüllen. Doch nun ist ihr die Deutsche Bank zuvorgekommen. Auch dürfte es für sie nicht so einfach sein, Kapitalgeber an der Börse zu finden. Im schlimmsten Fall gibt es für die Commerzbank nur einen Weg: Sie muss neue Staatshilfe beantragen.

Auch andere private Banken in Deutschland müssen ihrem Verband zufolge tiefgreifende Maßnahmen ergreifen, um sich auf die neuen Eigenkapitalvorschriften vorzubereiten. Das neue Regelwerk werde viele Häuser "hart treffen".

9. Was bedeuten die Vorschriften für Aktionäre?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Kapital für die Risikoabfederung gebunden ist, desto geringer fällt der Ertrag aus. Das schmeckt den Aktionären nicht. "Allerdings haben die meisten Banken ihre Eigenkapitalbasis bereits entsprechend gestärkt, in den Gewinnschätzungen sind die Basel-III-Vorschriften damit größtenteils berücksichtigt", sagt Bankenexperte Dieter Hein. Am Montag kam es an den Börsen gar zu Kurssteigerungen bei Bankaktien. Die Dividenden für Bank-Aktionäre könnten aber geringer ausfallen, wenn die Institute weniger von ihren Gewinnen ausschütten und stattdessen einbehalten.

10. Was kommt nach Basel III?

Die Finanzaufsichtsbehörden müssen die Einhaltung der neuen Vorschriften kontrollieren. Ein Passus in der Vorschlagsliste für BaselIII erscheint da besonders interessant: Je näher Banken künftig der vorgeschriebenen Kernkapitalquote von sieben Prozent kommen, desto schärfer sollen die Beschränkungen bei Boni und Gehältern für Bankmanager werden. Hier erhalten die Aufseher einen guten Hebel zur Risikokontrolle in den Kreditinstituten.