Deutsche Bank Josef Ackermann, der Geläuterte

Drehung um 180 Grad: Die Deutsche Bank des Josef Ackermann verdient Milliarden - und der Schweizer Chef gibt den Bekehrten.

Eine Analyse von Melanie Ahlemeier

Wie viel Profit ist in diesen Tagen erlaubt? Wie viel ist anständig? Eine Million? Oder eine Milliarde?

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - fünf Milliarden Euro Gewinn im Geschäftsjahr 2009. Da fällt das Lächeln gleich doppelt leicht.

(Foto: Foto: ddp)

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und ein Mann der ganz großen Zahlen, geht zwar gestärkt aus der Krise hervor - schier unfassbare fünf Milliarden Euro fährt der mächtigste Banker der Republik in seinem Schicksalsjahr ein. Was für eine Summe! Doch sein Mantra blieb irgendwie folgenlos. Die stets angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern verfehlt die Bank grandios - mit satten zehn Prozentpunkten Unterlieferung.

Ist das der Punkt, der Ackermann zur Kehrtwende getrieben hat? Kam es so zur Einsicht des in den Spuren von Hermann Josef Abs wandelnden Managers?

Es ist schon bemerkenswert, wie häufig der Schweizer in Frankfurt eine neue Richtung einschlägt. Noch im Dezember hatte Ackermann gegen Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vorhaben einer stärkeren Regulierung quergeschossen. Über ein Pendel, das in Richtung interventionistischer Politik ausschlage, lästerte der Deutschbanker sogar öffentlich. Und jetzt das!

Da legt er milliardenschwere Gewinne vor und kriecht zu Kreuze. Ackermann reloaded: Nun verspricht er seinen konstruktiven Beitrag im Ringen um schärfere Regeln für die Finanzmärkte.

Als ob ein solcher - wie auch immer gearteter - konstruktiver Beitrag nicht ausreiche, macht Ackermann als Lehre aus dem Lehman-Crash noch weitere Zugeständnisse.

So dürfen Deutsche-Bank-Manager künftig nicht nur mit Boni, sie müssen auch mit Mali rechnen. Gleichzeitig stockt das Institut seine Risikovorsorge wie auch die Kernkapitalquote (Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten) ordentlich auf. Und obendrein macht Ackermann auch noch das ganz große Fass auf. Banken, sagt er, könnten in einer Parallelwelt nicht gedeihen. Sie müssten den Menschen dienen. Horcht, horcht!

Mit seiner Neu-Definition über die gesellschaftliche Verantwortung von Banken wagt sich Ackermann auf vermintes Gelände. Vor allem aber bezieht er Stellung zum Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius. Banken, besonders privat geführte, hätten "keine öffentlich-rechtliche Aufgabe", hatte Dibelius vor wenigen Wochen gesagt. Ackermann - so scheint's - hat den Alfred Herrhausen in sich entdeckt. Der Amtsvorvorvorgänger starb vor 20 Jahren.

Doch wer denkt, Josef Ackermann gebe fortan per se den Geläuterten, irrt. Beim aktuellen Steuerzoff zwischen Deutschland und der Schweiz kennt der Schweizer kein Pardon - weil er vom Ankauf der geklauten Daten durch die Bundesregierung nichts hält.

Also doch ein Hauch von Beständigkeit bei Josef Ackermann. Alles andere hätte verwundert.