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Deutsche Bank: Hauptversammlung:Milliardengewinne und ein Megaphon

"Sie haben wohl Ihren Laden nicht im Griff": Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Aufsichtsratsboss Clemens Börsig würden sich gerne an ihren glänzenden Geschäftszahlen erquicken. Doch stattdessen prägen Demonstranten und Spekulationen um die Ackermann-Nachfolge die Hauptversammlung.

Wenige Minuten vor der Hauptversammlung. Aufsichtsräte und Vorstände von Deutschlands größtem Geldinstitut trudeln auf der Bühne der Frankfurter Festhalle ein. Schließlich kommt auch der Boss Josef Ackermann. Lässig, die Hände in der Hosentasche, geht er auf eine kleine Kollegengruppe zu. Er schüttelt Finanzvorstand Hugo Bänziger die Hand, auch Kollege Stefan Krause kommt in den Genuss.

Doch Clemens Börsig, der auch dort steht, geht leer aus. Der Aufsichtsratschef ignoriert die Ignoranz mit Anstand. Es ist eine Beziehungskiste der besonderen Art zwischen Ackermann und Börsig (siehe sueddeutsche.de-Zeitstrahl).

Während sich Ackermann seinem Ackermann-Grinsen hingibt, verlässt Börsig die Kollegen und setzt sich. Doch der Stuhl ist zu hoch gestellt, Börsig greift unter den Sitz und zieht am Hebel. Rasant geht es abwärts mit einem Mann, der keinen guten Tag hat. Später, als die Aktionäre das Wort haben, wird jemand beantragen, Börsig von seinem Posten als Versammlungsleiter abzuberufen. Es ist eine Petitesse, aber peinlich genug.

Auf dem Jahrestreffen der Aktionäre legt die Bank den Geschäftsbericht für 2010 vor (siehe hier die PDF-Datei). Ackermann sieht die Deutsche Bank auf Zielkurs zu einem operativen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr. Mit 3,5 Milliarden Euro im ersten Quartal "haben wir ein gutes Stück des Weges hin zu diesem Ziel bereits zurückgelegt", sagt Ackermann.

Das Investmentbanking erwirtschaftete im vergangenen Jahr sechs der sieben Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, aber das Privatkundengeschäft soll kräftig zulegen. Im internationalen Geschäft habe die Expansion in Asien erste Priorität, sagte Ackermann.

Irgendwo versteckt sich ein Mann mit einer Flüstertüte

Doch nicht jeder ist gekommen, um sich tolle Zahlen anzuhören. Es gibt Störer, eine junge Frau läuft mit einem Protestplakat am Podium der Manager vorbei und presst dabei Luft in eine Trillerpfeife. Diese Aktion führt dazu, dass sich plötzlich sehr viele Sicherheitskräfte enttarnen. Schnell und kräftigen Schritts fangen sie die harmlose Störerin ein.

Irgendwo versteckt sich auch ein Mann mit einer kleinen Flüstertüte. Immer wieder kommentiert er die Rede Ackermanns. Der berichtet gerade, dass es in der großen Deutschen Bank immer wieder auch zu wenig vorbildhaften Verhalten kommen kann - es geht um die vielen Prozesse gegen das Institut. Da rief die kaum lokalisierbare Stimme: "Sie haben wohl Ihren Laden nicht im Griff." Ackermann nimmt es cool.