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Der Euro in der Krise:Wackelkandidat Portugal

Griechenland, Irland - und bald womöglich Portugal? Die Märkte kennen nur ein Thema: die gigantische Schuldenkrise.

An den Finanzmärkten ist der Fall Irland schnell abgehakt. Als nächster heißer Kandidat, der die Hilfe des europäischen Rettungsfonds in Anspruch nehmen wird, gilt Portugal. Noch im Dezember dürfte das Land im Süden der Währungsunion fällig sein, spekulieren die Händler an der Börse. Der Euro sank unter 1,35 Dollar, der Dax verlor leicht an Wert, auch weil einige Anleger Kasse machen wollten.

Finanzhilfe für Irland

Erst brauchte Griechenland Unterstützung, jetzt befindet sich Irland in Schieflage - und als nächstes könnte Portugal folgen.

(Foto: dpa)

"Hier geht nicht eine große Welle der Erleichterung durch den Markt", kommentierte Michael Leister, WestLB-Analyst für Staatsanleihen, die Lage. Vielmehr richteten die meisten Händler den Blick nach vorn. Es sei schon seit Tagen klar gewesen, dass Irland gezwungen sei, die europäische Rettung in Anspruch zu nehmen. Nun verunsicherten die anstehenden Neuwahlen erneut, weil nicht klar sei, ob die Haushaltskonsolidierung in Dublin so durchgezogen werden könne wie geplant.

Auch Spanien blieb von den neuerlichen Spekulationen um mögliche Hilfen aus dem Rettungsfonds nicht verschont. Madrid konnte am Dienstag am Markt über drei Milliarden Euro für drei und sechs Monate neu aufnehmen. Die Nachfrage war groß, die Zinsen fielen mit 1,7 Prozent und 2,1 Prozent höher aus als zuvor. Die Renditen für die zehnjährigen Anleihen von Spanien gingen sogar auf 4,8 Prozent in die Höhe.

An den Märkten herrscht große Unsicherheit darüber, was nach dem Ablauf der nächsten drei Jahre kommen wird. Der Rettungsschirm der Europäer, der gemeinsam mit den Hilfen des Internationalen Währungsfonds 650 Milliarden Euro an Garantien umfasst, soll nämlich nach drei Jahren auslaufen. Deshalb gelten alle Wertpapiere, die für einen längeren Zeitraum ausgelegt sind, als riskant. Die deutsche Regierung macht sich dafür stark, dass nach dieser Zeit die Gläubiger mögliche Zahlungsausfälle bei den Staatsanleihen tragen müssen. Auch diese Diskussion sorgt für steigende Renditen bei Papieren der Länder Portugal, Irland, Griechenland, Spanien, auch kurz PIGS genannt. Weniger häufig fällt der Name Italien, der das Szenario auf PIIGS erweitern würde.

Für Irland rechnen die Händler an den Börsen mit einer Summe von 90 bis 100 Milliarden Euro, welche für die nächsten drei Jahre bereitgestellt werden. Portugal wird dagegen aufgrund der fälligen Staatsanleihen und seines Defizits auf 70 Milliarden Euro an Hilfen taxiert.

Die Volkswirte der Commerzbank bemängeln in ihrem Schuldenmonitor, den sie seit der Krise eingerichtet haben, Portugal käme nicht voran. Gemeint ist, dass die Regierung in Lissabon mit dem Sparen weniger erfolgreich ist als erhofft. Ohne deutliche Sanierungserfolge würden die Märkte jedoch misstrauisch bleiben und hohe Risikoprämien für die Staatsanleihen des Landes verlangen. Wenig beruhigend ist, dass auch Griechenland sein Ziel verfehlen wird, das Staatsdefizit auf acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken.

Auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) können die Märkte allerdings nicht hoffen. Die hat seit dem Ausbruch der Eurokrise Staatsanleihen in Höhe von 66 Milliarden Euro gekauft, zuletzt aber in immer geringerem Umfang. Welche Staatsanleihen das sind, behält die EZB für sich. Aber im Handel ist davon die Rede, dass es sich vor allem um Papiere aus Griechenland, Irland und Portugal handelt. Zugleich können sich die Banken des Euroraums bei der Zentralbank kurzfristig mit Geld zu einem Prozent Zins versorgen, wenn sie Wertpapiere hinterlegen. Von dieser Möglichkeit sollen einige Banken der Problemländer umfangreich Gebrauch machen, weil sie von anderen Banken kein Geld mehr bekommen.